le fabuleux destin de shirin



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Der wahrscheinlich letzte Eintrag: Non, je ne regrette rien!

Liebe Leser,

Heute verfasse ich wohl den letzten Eintrag in diesem Blog (außer ich verpasse wie gesagt den Zug und bin gezwungen, hier zu bleiben... dann informiere ich euch darüber weiterhin an diesem schönen Ort). Ich bedanke mich, dass ihr so treu meine zahlreichen, von orthogrphischen Unkorrektheiten geprägte, oft viel zu lange Einträge gelesen habt. (Ich sehe ganz genau, wie oft ihr meine Seite anklickt!). Vielen Dank für die ermutigenden Worte und das Interesse an meinem Au Pair Dasein...

Ich möchte nun auf die letzten neun Monate zurückblicken und Bilanz ziehen…


Was ich gelernt habe
-          Besser französisch zu sprechen… oder sagen wir mal anders französisch zu sprechen.
-          Mich in Paris zu orientieren
-          Was eine traditionelle französische Familie ist
-          Dass man trotz leeren Kühlschrankes zunehmen kann
-          Ganz toll zu bügeln
-          Deutschland zu schätzen
-          Die Art der Mutter nicht persönlich zu nehmen
-          Über die Witze des Vaters zu lachen, auch wenn ich sie nicht lustig finde
-          Aliénors Französisch zu verstehen
-          Auf französisch zurück zu zicken

Was ich verlernt habe
-          Müll trennen
-          Auto fahren
-          Kommasetzung im Deutschen (falsch, das habe ich vorher auch schon nicht beherrscht&hellip
-          Pünktlich zu sein
-          Englisch

Neue Spitznamen, die ich hier bekommen habe
-          Shirin-Coquine
-          Shishou
-          Shishi
-          Shish
-          Shining

Was ich hier geliebt habe
-          die mit dem Pass Navigo verbundene Freiheit! Wie schön war es, überall hinzufahren und sich alles anzugucken, was man wollte!
-          Dass ich unbegrenzt telefonieren konnte, meinen PC und meinen eigenen Fernseher in meinem Zimmer hatte
-          Mit dem Zug ankommen und genau einen Bus nach Hause zu haben
-          Dass man so viele Museen umsonst besuchen konnte… wirklich eine lobenswerte Idee der Franzosen!
-          Mich mit den Mädels im letzten Wagon des Zuges zu verabreden
-          Morgens noch die „20 Minutes“, eine kleine Gratiszeitung, die man in 20 Minuten durchlesen kann, zu ergattern

Was ich dreist an Frankreich finde
-          dass man sein Handyguthaben innerhalb von 14 Tagen verbrauchen muss, sonst verfällt es
-          dass man immer für eine Engländerin gehalten wird, obwohl wir eindeutig kein Englisch sprechen…
-          dass man nie die Öffnungszeiten der Läden kapiert

Musik, die ich wohl immer mit Frankreich verbinden werde
-          Mika „Relax (Take it easy)“
-          Fatal Bazooka feat. Vitoo “Mauvaise foi nocturne”
-          Xavier Naidoo “Dieser Weg”
-          Fedde le Grand “Put your hands up for Detroit”
-          Enur “Calabria 2007”

Was anders geworden ist
-          mein Gewicht
-          meine Haarlänge
-          meine Taktiken in der Kindererziehung (z.B. Bestechung)
-          mein Frankreichbild
-          der freie Speicherplatz auf meinem Computer… er ist deutlich geringer

Was so geblieben ist
-          dass ich immer noch Deutschland und alle meine Lieben dort ganz doll lieb habe
-          ich bin noch immer die kleine Shirin

Neue „Düfte“, die ich hier kennen gelernt habe
-          der Duft in der Pariser Metro
-          der Duft der SDFs
-          der Duft nach Afrika

Was mich verzaubert hat
-          die Schönheit von Paris: die Straßen, die Lebensart, die Gebäude, die Monumente, die Kultur
-          der Ausblick auf Paris
-          das Musée d’Orsay

Was mich traumatisiert hat
-          Dass ich einmal im RER B den Klappsitz runtergeklappt habe und mich fast auf eine eingeklemmte Windel gesetzt hätte… vielleicht war es auch eine matschige Banane in einer Tüte.
-          Dass wir einen alten Mann in der Disco gesehen haben, der mit einer blonden Schönheit getanzt hat. Der Schock daran war, dass er mit der einen Hand ihre Hand hielt, sich aber mit der anderen an ihre Brust krallte!!!
-          Der Drängler
-          Der Mann mit dem fauligen Zahn in der Schlange zum Centre Pompidou
-          Die Fahrt in der Amelie Achterbahn

Neue Namen, die wir vergeben haben
-          Monte für Montparnasse oder wahlweise den Mont St. Michel. Gelegentlich auch für den Montparnasse Sekt für einen Euro von Monoprix.
-          St. Laser für den Bahnhof St. Lazare
-          Less Hohl für Les Halles (im Gedenken an Mailins Friseuse). Bitte beachten: bei beiden keine liaison machen!
-          Chatte für Châtelet

Supermärkte, in denen wir beträchtliche Summen gelassen haben
-          Monoprix
-          Super U
-          Ed
-          Franprix

Was das Beste hier war
-          das Beste war einfach alles mitzunehmen, was man konnte. Alles auszuprobieren, keine Angst zu haben, verrückte Dinge zu tun, die Zeit zu genießen…
Was ich nicht wieder tun würde
-          meinen Ausweis vergessen, wenn ich zum Mont St. Michel fahre. Ich hätte drei Euro beim Eintritt gespart
-          die letzte Reihe im Bus hergeben
-          in Chatelet umsteigen – außer vom RER A in den RER B  

Was ich vermissen werde
-          meine kleinen lieben Kinderchen! Obwohl sie so oft kackfrech waren, hatten wir auch wirklich viele schöne Momente… Schade, dass ich Aliénor bald nicht mehr zu Schule bringen, an ihr Kuscheltier denken, ihr ein Schleifchen in die Haare und sie baden kann. Schade, dass ich Blanche nicht mehr Geschichte abfragen kann und mich mit ihr totlachen kann. Schade, dass Charles mir nicht mehr seine neusten Geschichten aus der Schule berichten und dass Gonzague mir nicht mehr zeigen wird, was er mal wieder auf der Straße gefunden hat. Schade, dass ich nie wieder entnervt „Jetzt esst endlich auf!“ rufen und Aliénors Lätzchen umbinden kann. Schade, dass mich nie wieder eine Kinderstimme fragt: „Wo gehst du hin?“ und ich antworte: „Ach ich geh aus. Nach Paris.“ Schade, dass mich der Bus 469 nie wieder fast direkt vor der Tür absetzen wird. Sogar schade, dass ich nie wieder die zwanzig Minuten vom Bahnhof bergauf nach Hause laufen muss.

Wofür ich sehr dankbar bin
-          für alles! Für die Leute, die ich kennen und lieben gelernt habe, für diese unglaubliche Möglichkeit, für die Freiheit, für die Menschen, die sich für mich interessiert haben, für jede Hilfe, für alle, die zu Hause an mich gedacht und für mich gebetet haben. Ich bin wirklich dankbar für dieses Jahr, ein riesiger Traum ist für mich in Erfüllung gegangen!
-          Um es mal mit den Worten meiner lieben Freundin Edith zu sagen: Ich bereue nichts! Trotz meiner ständigen Jammereien über Zugfahrzeiten, Geschrei zu Hause, dreckige Badezimmer, nicht vorhandene Schlüssel für mein Zimmer, Gejammer, weil ich nicht direkt in Paris wohne… war es trotzdem ein richtig tolles Jahr!!!

6.7.07 09:40


Achterbahn der Gefühle

 

Also diese ganze Abschiedssache ist echt richtig schrecklich. Heute Morgen musste ich mich das erste Mal verabschieden. Von Gonzague. Wirklich unglaublich, seine Karriere.

 

Vom Lieblingskind hat er es echt zum Problemkind Nummer eins geschafft, was er für seine Eltern schon immer war. Trotz aller Strapazen und den manchmal blöden Sprüchen saß ich heute Morgen auf dem Sofa und habe geheult.

 

Er musste in sein Pfadfindercamp fahren, saß neben mir in seiner Kluft und war total glücklich, dass endlich losging. Ich konnte es ihm nicht übel nehmen.

 

Seine Tante kam, um ihn abzuholen. Ich kenne sie erst seit fünf Tagen, aber sie war mir auf Anhieb sympathisch: „Oh nein, bitte ich weinen! Mir kommen auch schon die Tränen! Na los, Gonzague. Gib ihr ein Küsschen. Umarm sie! Nein, doch nicht so! Richtig!“

 

Ich sagte lieber gar nichts. Denn von Schluchzern erschüttert und dann auch noch mit einem deutschen Akzent – nein, danke!

 

Gonzague bewies, dass er ein richtiger Mann war. „Shirin, ce n’est pas la mort! Wir sehen uns doch bestimmt bald wieder!“ Shirin, das ist doch nicht der Tod. Ja, stimmt irgendwie.

 

Im Zug hätte ich am liebsten wieder geheult. Letztes Mal zur Sprachschule – was für eine Nostalgie.

 

Nachmittags war ich wenigstens mit den Mädchen draußen. Einen weiteren „Du-bist-unsere-Angestellte-also-geh-bügeln“-Tag hätte ich nicht verkraftet.

 

Nachdem ich Aliénors Bad erfolgreich abgeschlossen hatte, saß ich ganz betrübt im Mädchenzimmer. Jeder hatte etwas anderes zu tun, nur ich war zu deprimiert um aufzuräumen.

 

Da vernahm ich plötzlich Blanches Stimme: „Shishou?“

 

Plötzlich kam eine ganze Meute Kinder (Blanche, Manon, Bérénice, Carguelène, Enguerrand, Marguerite und Constance) ins Zimmer gestürmt, umarmte mich und rief wild durcheinander, dass ich doch nicht gehen könnte.

 

Einfach kann man die Schleusen nicht öffnen.

 

Die Kinder wollten sofort etwas machen. Der beste Vorschlag war der von Constance. Nämlich in mein Zimmer zu gehen, Musik anzumachen und zu tanzen.

 

Da es schon etwas zu spät war, einigten wir uns darauf, morgen ein gouter im Garten zu veranstalten. Ich war wirklich gerührt.

 

Im Übrigen hat auch meine Gastmutter ein paar Credits bei mir gutgemacht. Ich muss sagen, dass ich gestern noch sehr enttäuscht war, wie wenig Interesse an jemandem gezeigt wurde, der immerhin neun Monate täglich das Geschrei ihrer Kinder ausgehalten hat.

 

Aber im Flur begegnete ich Aliénor, die mich so verschwörerisch angrinste und ihre Händchen hinter dem Rücken verschränkte. Als sie etwas von „cadeau“ murmelte und sogleich einen strafenden Blick ihrer Mutter erntete, war die Überraschung perfekt.

 

Mir wurde feierlich ein kleines Geschenk überreicht, was Aliénor schon halb aufgemacht hatte. Ich wette, dass Alena wieder ein Parfüm und einen bol und Alkohol und ein T-Shirt von ihrer Familie gekriegt hat und Katha garantiert eine Schminktasche aus Asien.

 

Aber ich habe mich wirklich über ein kleines Armband mit einem silbernen Anhänger gefreut. Dieser Anhänger ist ein Herz, in das „shirin“ eingraviert ist.

 

Ausnahmsweise durfte ich mit Charles und Blanche „Petit chaperon rouge“ ganz zu Ende gucken (dt. die Rotkäppchenverschwörung).

 

Ich fühle mich wirklich richtig bizarre.

 

5.7.07 22:37


Ich habe gerade eine Mango gegessen

Als wir gestern im St. Lazare ausgestiegen sind, dachte ich hypnotisierende Gesänge zu vernehmen.

"Eine Mango nur zwei Euro, ein Euro nur eine Ananas, 2 Ananas nur fünf Euro, fünf Euro nur eine Mango, eine Ananas nur eine Mango"... so in der Art.

Ja, mitten im Gang zur Metro standen zwei Marktschreier, die Mangos und Ananas veräußerten, zu den eben genannten Schnäppchenpreisen.

Als Erstes war natürlich Alena hypnotisiert und hatte nach mehreren Minuten fundierter Recherche zwei Mangos eingetütet. Eine für mich, eine für sie.

Schon gestern waren sie sehr reif, aber erst heute mittag habe ich mich wieder an sie erinnert (sie hat in der Tüte in meinem Chaos geschlafen... ich muss sie wohl vergessen haben...).

Sie war sooo weich, dass sie einfach perfekt war. Sie war nicht gelb, sie war orange. Sie war nicht faserig, sie war leicht zu schneiden wie Butter. Sie war nicht knüppelhart, sie war einfach nur köstlich...

Dieses Erlebnis wollte ich nur kurz mit euch teilen.

4.7.07 14:32


Ein Gourmet im Theater

Unglaublich, aber heute ist echt der allerletzte Horrorkackmittwoch angebrochen! Ebenso wie meine letzten Stunden in Deutschlands wohl schönstem Nachbarland…

 

Vielleicht habt ihr euch gefragt, warum ich gestern nichts geschrieben habe. Ich war mal wieder unterwegs. Lest jetzt was alles so passiert ist:

 

Nach der Sprachschule traf ich mich bei strömendem Regen mit Katha. Wie hatten uns zum déjeuner, zum Mittag verabredet, denn mein Wunsch lautete: wir müssen unbedingt noch in einem richtigen französischen Restaurant essen.

 

Ich nehme an, dass der gebürtige Pariser nicht unbedingt an der Place de Clichy sein Stammlokal hat, aber dort hatte ich schon mal verschiedene kleine Restaurants gesehen, die ein komplettes Menu für 14 Euro anboten.

 

Direkt an der Metrostation war es wirklich noch ziemlich touristisch und zu McDo, KFC oder Hippopotamus wollten wir auch nicht gehen. Wir bogen in eine kleine Seitenstraße, die rue de Bruxelles ein, und sahen von weitem ein kleines Lokal. Schade, sie boten kein komplettes Menu an.

 

Ich wollte unser Glück schon eine Straße weiter finden, als Katha mich auf „Le Gourmet“ aufmerksam machte.

 

„Katha“, sagte ich tadelnd „seit wann sind wir Gourmets?“ Aber Katha erkannte ganz richtig, dass ein Premier Class Hotel auch nicht bedeutet, dass man erster Klasse wohnt.

 

Und ja! Auf Anhieb überzeugte uns der Laden – aber richtig! Für schlappe 12 Euro saßen wir in einem kleinen, schmucken Raum mit lauter Franzosen und hatten je vier Gerichte zum entrée, plat und dessert zur Auswahl.

 

Leider hatten wir keinen blassen Schimmer, was die Gerichte in Wirklichkeit waren, aber wir entschieden uns spontan für „das erste, was Sie gesagt haben“, um es der Kellnerin mal einfacher zu machen.

 

Letztendlich speiste ich eine Blumenkohlcremesuppe, Rindfleisch in Roquefortsauce an Kartoffelscheibchen und einen hausgemachten Naturjoghurt mit Himbeerhaube (ich versuche den Stil des Göttinger Mensaspeiseplans zu imitieren, wobei unser Essen wirklich so lecker war!)

 

Richtig voll gefressen mussten wir schon den Heimweg antreten. Ich war völlig hingerissen, dass ich noch kurz bei meiner Bank reinschneien konnte um mein Konto zu schließen. Meine geliebte CB, meine Kreditkarte wurde grausamst vor meinen Augen zerschnitten…

 

Der Nachmittag war auch aufregend, weil Blanche sich die Augen ausgeheult hat (die zweite Stimme im Kanon sang Aliénor… meine Ohren dröhnten). Der Grund: sie wollte doch nicht bei ihrer Freundin übernachten. Ich sah da nicht so das Problem, aber wer weiß schon, was in ihrem Gehirn vor sich geht?

 

„Ich will mich am liebsten umbringen… Ich bin so dumm…“

 

Abends ging es dann ins Theater mit Alena und Katha. Das Stück hieß „Post-it“ und handelte von drei Mitbewohnerinnen und ihren Problemen. Beziehungsweise hatte nur die Eine Probleme (sie war fett, hässlich und unglücklich verliebt, außerdem Jüdin und musste fassten) und ihre Freundinnen wollten ihr helfen. Trotzdem gewann das Problemkind nachher den Award für das beschissenste Leben.

 

Es war ziemlich lustig, wenn auch etwas „anrüchig“, wie Alena bemerkte. Immerhin haben wir sogar die meisten Witze verstanden.

 

Heute geht hier zu Hause alles drunter und drüber. Die Mutter muss ungefähr fünf Tonnen Gepäck für die Zwillinge packen, die in ein Camp fahren. Das ist natürlich Stress pur. Ich habe mal vorsichtig nachgefragt, wer morgen Abend (an meinem letzten Abend) hier ist und ob wir wohl alle zusammen Abend essen könnten. Nein, sie muss schon gaaaaanz früh los.

 

Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht, dass ich meinen Gasteltern so gleichgültig bin. Nicht mal am letzten Abend wollen sie sich mal zu „uns“, also zu mir mit den Kindern gesellen. Zu allem Überfluss ist der Vater auch eher chillig, was die Abfahrtszeit am Freitag anbelangt. Wenn ich wegen ihm meinen Zug verpasse (und davor habe ich eine realistische Angst!), heule ich aber RICHTIG laut. Dann wird mich die Familie hier noch länger an den Hacken haben. Und sich wünschen, dass ich nicht doppelt so laut wie Aliénor heulen könnte.

 

4.7.07 14:02


Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt

So geht’s mir zurzeit. Ich erkenne mich selbst nicht wieder, aber ich will grad nur noch nach Hause.
Da meine Laune gerade tiefer als in den Keller gesunken ist, habe ich mich – Schande über mich – in meine Au Pair Butze eingeschlossen. Jedenfalls würde ich das, wenn ich abschließen könnte L
Mit mir ist echt nichts anzufangen, ich bade in Trauer und Selbstmitleid, ohne so richtig zu wissen, warum.
So ein Abschied ist schon kein Zuckerschlecken, so gern ich auch nach Hause will.
Nicht nur mein Gemütszustand, auch die öffentlichen Verkehrsmittel und meine Gastfamilie sind (mit)schuld daran, dass ich in diesem Augenblick nicht in Versailles bin und nicht Kathis letzter soirée hier beiwohne. Tut mir leid, Kathi-Psychopathi… L
Ach! Gestern waren wir im Mittelaltermuseum, dem Musée de Cluny. Vielleicht rührt daher meine „dunkle“ Stimmung, denn wie Mama immer sagt, ist das Mittelalter eine so düstere Zeit.
Trotz (oder vielleicht gerade wegen) meiner LK-Wahl Geschichte konnte ich diesem Museum nicht so viel abgewinnen.
Päpstliche Ringe, die so groß wie mein Handy (Achtung, das will was heißen!) waren, konnte man bestaunen. Aber auch kleinere Ringe, die dafür silberne Schlösser verzierten, wurden ausgestellt.
Das „Highlight“, das – meinem Reiseführer, den ich bald in eine Mülltonne kloppe – „jeden Besucher in seinen Bann zieht“, war ein Wandteppich.
Die „Dame mit dem Einhorn“ war zwar schon sehr schön gewebt (oder gewoben J ), aber in unseren Unprofiaugen nicht schwerer oder leichter zu gestalten als die übrigen Wandteppiche. Ich habe echt keine Ahnung…
Dieses Kunstwerk warf allerdings einige Fragen auf:
Woher kannten die Menschen im Mittelalter Affen?
Muss man zuerst einen weißen Teppich knüpfen und dann anmalen?
Wie kommt man auf so seltsame Muster wie Einhörner, Löwen und Affen?
Würde ich auch mein ganzes Leben opfern, um einen Teppich zu weben, der nachher die fünf Sinne symbolisiert?
Oder kann man auch eine dankbarere Aufgabe finden?
So, ich gehe jetzt wieder in mein kuscheliges Bett weiterjammern… damit ich am Samstag die strahlendste Laune ever habe! Ich freu mich schon ganz wahnsinnig auf Deutschland!
2.7.07 21:43


Diskriminiert

Ach ja, mir geht es gerade richtig gut!!!
Heute habe ich erstmal lange ausgeschlafen und war dann frisch und munter und für jeden Spaß zu haben. Sooo frisch sah ich zwar kurz nach dem Aufstehen nicht aus, aber ich musste unbedingt Aliénor ihr Geschenk überreichen.
Seit ungelogen 6 Monaten redet sie ja schon davon, dass „bald“ ihr Geburtstag ist und dass sie dann eine „grande fille“, ein großes Mädchen sein wird.
Da dieser Tag also sehr wichtig für sie ist, habe ich mir besondere Mühe für ihr Geschenk gegeben. Letztes Wochenende habe ich mit Alena und Kathi in Belleville in einem Ein Euro Laden Filzstifte und eine Silikon-Bären-Backform für sie erstanden
Und tatsächlich hat sie sich sehr über mein kleines Präsent gefreut. Jetzt kann ich endlich wieder vernünftige Bilder mit ihr malen, die anderen Stifte waren schon ganz ausgetrocknet.
Etwas im Voraus (an dieser Stelle kleinen Gruß an Alena) habe ich heute mein Geld von der Familie erhalten, was ein Grund war erstmal richtig shoppen zu gehen.
Wer an einem Samstag irgendwo in Paris einkaufen geht, muss verrückt sein. Wer auch noch Les Halles aussucht, hat entweder keine Ahnung, was da auf ihn zukommt, sonst keine Zeit oder einen eigenartigen Humor.
Erstaunlicherweise fand ich es aber gar nicht so voll. Und das, obwohl zur Zeit soldes sind, der allseits beliebte Schlussverkauf. Ebenso unerwartet legte ich eine ungewöhnliche Ausdauer an den Tag, ansonsten bin ich eher schnell genervt vom Einkaufen und gucke gar nicht so recht.
Aber heute, meine Lieben, waren die Tüten schwer!
Alena und ich hatten aber noch einen anderen Plan. Wir wollten einen „Lesezirkel“, wie wir es nennen gründen.
Mir ist bewusst, dass damit gemeint sein könnte, dass wir verschiedene Illustrierte wie zum Beispiel die Gala oder die Neue Revue abonnieren und wenn sie ausgelesen sind, austauschen. Wie es bei praktizierenden Ärzten (wie zum Beispiel Dr. Kolle in Gifhorn, den ich in wenigen Tagen wegen meiner Weisheitszähne aufsuchen muss&hellip der Fall ist.
Nein, so was war nicht geplant. Wir wollten einen Literaturkreis gründen und haben uns zu diesem Anlass „Paris est une fête“ (dt. Paris, ein Fest fürs Leben) von Ernest Hemingway gekauft. Wir lesen also dieses Meisterwerk der Weltliteratur und tauschen unsere intellektuellen Gedanken darüber aus.
Zum Beispiel sagt Alena „Ernie ist so cool, oder? Immer geht er in die Cafés, verprasst das Geld, was er nicht besitzt und berichtet, wie ein Hirte eine Ziegenherde durch die rue Mouffetard leitet…“
Jaja, meine Kinder würden sagen „La vie est belle chez lui“, so zu sagen „Das Leben ist für ihn immer schön“. Denn obwohl der arme Dichter immer an Hunger leidet, berichtet er von einem wunderbaren Leben in Paris. Und alleine zu denken, dass früher Ziegen durch Straßen zogen, in denen wir heute Crepes essen, ist lustig.
Kurz, wir wollten uns für schlau und gebildet halten. Die feierliche Gründungszeremonie sollte in einem Café namens „Closerie des Lilas“ abgehalten werden. Unser Freund Ernest schrieb zu Lebzeiten an diesem Ort.
Wir stiegen, voll bepackt mit lauter Tüten, aus dem Zug und wurden von einem ohrenbetäubenden Lärm eingeschüchtert. Ein Schwulen- und Lesbenparade zog gerade an unserem erwählten Ort vorbei.
Wir kamen nicht drum herum einige seltsame Gestalten anzustarren und ein wenig das bunte Treiben zu verfolgen. Aber lange konnte ich es nicht aushalten, ich wollte ins Café.
Oh! Kurz vor dem Eingang bemerken wir wie schick es darin ist. Sofort kam ein Mann heraus gestürmt:
„Da könnt ihr nicht rein, es ist geschlossen.“
?
„Ihr könnt da nicht so einfach rein und aufs Klo gehen!“
??? Was wollte dieser Typ?
„Nein, wir wollen eigentlich was trinken“; wollte ich die Situation erklären. Der Mann prustet fast los vor Lachen: „Haha, was denn? Eine Cola?“
Schwupps war er weg und kurz darauf standen andere alte Männer um uns herum, die ebenso amüsiert waren, dass wir mit unseren lächerlichen Plastiktüten in dieses ehrenhafte Etablissement gelassen werden wollten.
Verängstigt fuhren wir mit dem Zug wieder weg.
So eine Pleite! Diese Kackzweitklassengesellschaft! Um des Ambientes Willen wären wir sogar bereit gewesen eine überteuerte Summe für diese lächerliche Cola ausgegeben (ja, eine Cola).
Da uns der Hunger plagte gingen wir zu unserem „Stammbäcker“, der uns Baguette mit eingebackenen Oliven bzw. Schinken verkaufte. Was nun?
Zu Fuß mit unseren Einkaufstüten schleppten wir uns noch weitere Straßen entlang und landeten in einem anderen Café, das Hemingway wenigstens auch mal in seinem Buch erwähnt hat. Das Café de Flore.
Weil wir beide nur ein Wasser bestellten/uns mit besagten lächerlichen Plastiktüten in ein weiteres ehrenhaftes Etablissement gewagt hatten/so aussahen, als würden wir nicht viel Trinkgeld geben, wurden uns (so glauben wir) keine Oliven dazu gereicht.
Dennoch stießen wir mit unserem Wasser auf unseren Lesezirkel an und blickten, während wir auf unsere niedere Herkunft pfiffen, versonnen auf den Boulevard St. Germain.
30.6.07 23:54


Shirin im siebten Himmel

 

Den ganzen Tag über konnte ich es kaum erwarten, dass es endlich sieben Uhr abends werden würde. Ausnahmsweise durfte ich nämlich eine Stunde früher gehen, um mich mit meiner Nachbarin Elodie in Paris zu treffen.

 

Und da Vorfreude ja bekanntlich die schönste Freude ich bügelte ich wie eine Weltmeisterin. Sogar ein paar Sachen von den Eltern, was wirklich nicht normal ist!

 

Endlich war es dann sieben, ich packte meine Tüte und zog los.

 

Ich stieg an der Notre Dame aus, mein Herz klopfte wie verrückt. Es war einfach der perfekte Tag, die Sonne schien warm auf die Türme der Kathedrale. Ich hätte am liebsten geheult, so schön war es.

 

An der Fontaine de St. Michel, einem Brunnen traf ich mich mit Elodie, die gerade von ihrer Arbeit kam. Während wir auf ihre Freundin Anne warteten, übergab ich ihr feierlich meine Tüte mit dem Au Pair Erbe, wie wir es nennen. Dinge wie Batterien, Nagellackentferner, Kerzen oder Tee, die wir nicht mit nach Deutschland nehmen, schenken wir großzügig an die, die es hier gebrauchen können.

 

Zusätzlich hatte ich ihr zum Abschied einen Deutschlandreiseführer gebastelt und meinen Deutschlandschirm (den sie wohl gut gebrauchen kann) vererbt, weil sie ja Februar ein Auslandssemester in Berlin macht.

 

Sie war sichtlich gerührt, hatte aber auch etwas für mich. Eine große „marron“, eine Gebäckspezialität, die ich ihrer Meinung nach unbedingt probieren sollte. Och Mann war diese Abschiedsstimmung traurig…

 

Aber dann kam schon Anne, die uns mit in die rue St. Jacques ganz in der Nähe nahm. Wo sie im siebten Stockwerk ein kleines Studentenzimmer hat!!!

 

Allein der Gedanke einen winzigen Blick über die Dächer von Paris zu werfen, hat mich schon total verrückt gemacht. Ich konnte gar nicht schnell genug die enge Wendeltreppe (ich erinnere: sieben Stockwerke!) hoch rennen. Anne schloss die Tür auf, schritt durch das dunkle Zimmer und schob den Vorhang beiseite.

 

Mir stockte der Atem (den ich eh schon vom Treppensteigen verloren hatte). Links der Tour Montparnasse, gerade aus der Eiffelturm, rechts die St Severin Kirche, überall ein unglaubliches Häusermeer. Wenn man sich etwas heraus beugte, konnte man rechts auch die Notre Dame sehen.

 

Ich wollte auf der Stelle losheulen, es war einfach ergreifend. Es war das perfekte Studentenleben, mein absoluter Traum.

 

Schnell erkannte ich, dass besser als vor Freude heulen ein paar Fotos mehr bringen würden. Ich war vom Fenster nicht mehr weg zu kriegen und murmelte dauernd Unverständliches auf Deutsch, was zeigt, dass ich wirklich außer mir.

 

Anne und Elodie ließen es nicht zu, dass ich ihnen beim Nudeln Kochen half, „genieß lieber die Aussicht“.

 

Das tat ich. Beim Essen hatte man mir großzügigerweise den Platz mit der Parisaussicht angeboten und ich dachte, dass es nichts Schöneres geben könnte.

 

Anne sagte: „Wenn man hier wohnt, isst man nie allein. Der Eiffelturm ist immer da.“

 

Die Mädels wollten Desperate Housewives gucken und auch ich rückte meinen Stuhl Richtung Fernseher. Aber mein Blick wanderte immer wieder aus dem Fenster und durchs Zimmer.

 

Als der erleuchtete Turm um zehn anfing zu glitzern, war ich so glücklich, dass ich diese Stromverschwendung sogar gutheißen konnte.

 

Schweren Herzens, aber voller Dankbarkeit machte ich mich mit Elodie auf den Rückweg. Dieser Abend war auf jeden Fall eines meiner Highlights des ganzen Aufenthaltes…

 

29.6.07 20:28


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