le fabuleux destin de shirin



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Mundraub

Mein gestriger Tag war mal wieder typisch.
Ausschlafen, die Kinder beim Fern sehen „erwischen“, aufräumen.
Anders als sonst war, dass mittags die Mutter mit einem fetten Verband an der Hand nach Hause kam. Da sie operiert wurde, wird sie meine gesamte restliche Zeit hier nicht arbeiten. Oh Mann!
Die Gute kann wirklich gar nichts mehr alleine machen. Wenn sie nicht im Bett liegt und Fern sieht, ruft sie ihre Kinder, damit sie ihr einen Jogurt aufmachen oder die Leiter richtig hinstellen. Hauptsache, sie macht mich nicht zu ihrer persönlichen Dienerschaft.
Mittags ist noch etwas Tolles geschehen. Ich war nicht wenig erfreut, dass Blanche bei ihrer Freundin essen wollte. So hatte ich nur zwei Rangen zu bekochen und machte mir kurzerhand auch ein kleines Putenschnitzel (seitdem ich hier bin esse ich fast gar kein Fleisch, aber nicht weil ich Vegetarierin geworden bin&hellip.
Ich setzte gerade zu einem lauten „Zu Tisch!“ an, als Constantin, unser Nachbar und der Bruder von Blanches Freundin auftauchte.
„Er isst heute bei uns“, wurde mir erzählt. Praktisch Kindertausch. Ich musste wohl oder übel zustimmen, auch wenn das bedeutete, dass ich nichts zu Essen haben würde.
„Toll Blanche! Und was soll ich essen?“, fragte ich entnervt. „T’as qu’à grignoter“, war die Antwort, du kannst ja naschen. Als hätte ich das sonst nicht getan.
Die nächste dunkle Bedrohung nahte bereits.
„Shirin, gehst du mit uns ins Schwimmbad?“ Ich lachte die Kinder aus.
„Garantiert nicht! Was für eine Idee!“
Die Mutter schaltete sich ein: „Hm, eigentlich hätte ich das sehr gerne, wenn du die Kinder begleiten würdest. Dann hab ich sie nicht an den Hacken…“
Ja eben!!! Aber dann hab ICH sie!!!, hätte ich am liebsten laut geschrieen.
Eine französische Großfamilie gegen ein kleines deutsches Au Pair – wer gewinnt?
„Na gut, ich geh mit euch. Aber ich bade nicht“.
Völlig bargeldlos, wie wir stets durchs Leben gehen, musste mir die Gastmutter einen Blankoscheck ausstellen. Sie wusste nicht, wie viel eine Zehnereintrittskarte fürs Schwimmbad kosten würde.
Am liebsten hätte ich mich totgelacht, sie hatte so eine Angst, dass ich einfach eine Million statt 10,75 Euro draufschreiben würde. Oder den Scheck an die Mafia verkaufe. Oder in meine eigene Tasche stecke.
Selbst nach 9 Monaten haben die hier immer noch nicht gemerkt, was für eine zuverlässige Person ich bin. Ich habe selbstverständlich alles ordnungsgemäß erledigt. Haben die noch nie gemerkt, dass ich als Deutschland komme?
Ich also mit den Zwillingen und auch noch der Nachbarin zum Schwimmen gepilgert, mein Buch in der Tasche, um am Beckenrand die Beine ins Wasser baumeln zu lassen, während die Kinder sich gegenseitig ertränken… als ich aus meiner idyllischen Fantasie entrissen wurde.
„Was? Sie tragen keine Badbekleidung? Dann dürfen sie die Schwimmhalle nicht betreten!“
Während ich fast zwei Stunden im Eingangsbereich des winzigen Schwimmbades in Ville d’Avray mein Buch las, fragte ich mich, wofür mir diese Familie überhaupt ihr Geld gibt.
28.6.07 17:48


Zum Sport in die Hauptstadt

 

Heute habe ich mal wieder einen der wertvollen Insidertipps aus meinem Reiseführer befolgt: Schwimmbadbesuch war angesagt!

 

In der rue Pontoise mitten im Quartier Latin befindet sich der berühmte (?) Club Pontoise, ein Schwimmbad mit Fitness- und Saunabereich, wie Marco Polo mir versprach. Angeblich wäre dieses Schwimmparadies so wundervoll, dass schon etliche Filme dort gedreht worden seien. Welche, das weiß ich auch grad nicht so genau.

 

Jedenfalls kam ich gutgelaunt eine Dreiviertelstunde zu früh, was mir einen kleinen Spaziergang im quartier verschaffte. Ganz abgeneigt war ich nicht, schließlich bin ich eher eine Lese- statt einer Wasserratte und so las ich ein bisschen auf einem square…

 

Dann aber doch! Für nur 2,20 Euro (Studententarif), was kaum teuer als in VdA und, wie ich glaube billiger als in Versailles, ist, durfte ich eine imposante Schwimmhalle betreten.

 

Unten mittig angelegt war natürlich das (einzige) Becken. An beiden Seiten gingen Treppen hoch, sodass man von drei Etagen aus ins kühle Nass blicken konnte.

 

Auf jeder Etage waren kleine blaue Türen, die die Umkleidekabinen darstellten. In aller Vorsicht hatte ich natürlich ein Ein-Euro-Stück dabei, um meine Tasche wegzuschließen, aber nicht nötig. Es waren gar keine Schließfächer da.

 

„Monsieur, kann ich meine Sachen einfach in der Kabine lassen?“, fragte ich halb dumm, halb verunsichert.

 

Der Bademeister guckte mich mitleidig an. „Klar.“

 

„Und wie kriege ich die Tür nachher wieder auf?“; war meine nächste, durchaus ernst gemeinte Frage.

 

„Na raten Sie mal!“, rief er entnervt aus.

 

Wie jeder Mensch (außer mir) dort wusste, macht man die Tür der Kabine einfach hinter sich zu. Wer später an seine Sachen will, heuert den freundlichen Mann („cabinier“, nicht Bademeister!) mit dem Generalschlüssel an, der einem aufschließt. So einfach geht das.

 

Während ich meine Bahnen schwamm, bewunderte ich die Mosaiken in der Schwimmhalle und ließ mich nicht von den neben mir trainierenden Brustschwimmweltmeistern beeindrucken. Offensichtlich gehörte ich nicht zu der Stammkundschaft dieses Schwimmbades, da sonst nur noch Rentner anwesend waren.

 

Ich habe lange überlegt, ob ich mit meinem Besuch das richtige Statement gesetzt habe. Schließlich will ich ja nicht so wirken, als würde ich „mit dem Strom schwimmen“ und mich dem Schlankheits- und Sportwahn anpassen.

 

Aber dann fiel mir ein, dass ich genau das ausgesagt habe, was ich aussagen sollte:

 

Ich schwimme mit 0,5 km/h, ich ziehe Essen dem Sporteln vor und trage keinen Dolce und Gabbana Bikini… und trotzdem genieße ich einen Schwimmbadbesuch in Frankreichs Hauptstadt!

 

26.6.07 23:14


Das Ereignis des Jahres

 

„Und im Juni ist dann die Fête des étangs, da musst du uuuuuuunbedingt hin! Das ist soooooo toll!“, schwärmte man mir schon vor einigen Monaten vor.

 

Jetzt endlich, gegen Ende meines Aufenthaltes, sollte also das absolute Knüllerevent des ganzen Ortes stattfinden: das See der Seen.

 

Alle die, die zufälligerweise noch nie etwas von dem berühmten Maler Corot gehört haben, möchte ich gerne (mal wieder) aufklären:

 

Es gibt zwei Seen in Ville d’Avray, die dieser Künstler mit Öl auf Leinwand nachempfunden hat und die so schön abgebildet wurden, dass sie sogar im Louvre hängen (natürlich in der hintersten Ecke ganz oben, aber immerhin!).

 

Zu Ehren unseres Helden wird also jedes Jahr dieses Sommerfest veranstaltet. Meine Nachbarin Elodie freute sich schon wie eine Schneekönigin darauf und erzählte mir, dass sie seit sie klein ist jedes Jahr einen Goldfisch kauft. Das sei so eine Tradition, man spiele diese typischen Budenspiele (Entchenangeln oder so, nehme ich an) und als Preis erhält man einen Goldfisch.

 

Elodie war es auch, die mich mit auf die „Partywiese“ genommen hat, eine Art Lichtung im Wald. Man konnte crepes kaufen und die lokalen Musikgrößen live erleben (Papa-, wahlweise Countrymusik).

 

Nachdem meine Nachbarin enttäuscht feststellte, dass es immer weniger Buden gäbe, da die Mietpreise dafür gestiegen seien, stellte sie mich ihren Freunden vor.

 

Am längsten habe ich mich glaub ich mit Jamie unterhalten, einer Texanerin auf Besuch in Paris, die selbstverständlich kein Wort Französisch konnte. Nicht, dass ich kein Sprachtalent wäre, aber ich musste mich wirklich anstrengen, um wenigstens ein paar Brocken Englisch raus zu kriegen, und das auch noch ohne französischen Akzent!

 

Ich kann nur mal wieder sagen, dass die Amis einen kleinen Schuss weghaben. Denn die gute Jamie erzählte von einem Einbrecher, der im Haus, in dem er klauen wollte, auf einem nassen Handtuch ausgerutscht sei und sich das Bein gebrochen habe. Diese Umstände sind natürlich völlig inakzeptabel, der Dieb klagt und bekommt auch noch Recht. Eine seltsame Welt, dort hinten in Übersee…

 

Kurz vor Ende der Fete bemerkte ich, dass ich gar keinen Fischstand gefunden hatte! Etwas traurig gab ich meinen Plan auf. Denn ich hatte eigentlich vorgehabt, einen Goldfisch zu erstehen, ihm einen französischen Namen (wie zum Beispiel Francois) zu geben und mit nach Deutschland zu nehmen. Dem armen Tier wurde so wenigstens eine qualvolle Zugfahrt erspart…

 

Das perfekte Fest klang mit einem Schauspiel der besonderen Art aus. VdA hatte offensichtlich genug Geld, um eine Viertelstunde lang ein kunterbuntes Feuerwerk in den Abendhimmel aufleuchten zu lassen.

 

25.6.07 16:16


Eine Müsülfrau kauf Olivenöl

Trotz vieler bereits besichtigter Attraktionen haben Alena und ich heute doch noch mal wieder ein touristisches Ziel in Angriff genommen.
Die Mosquée de Paris, die Pariser Moschee.
Wer jetzt völlig vom Glauben abfällt (extra für Mama: Wortspiel!), den darf ich beruhigen: ich bin nicht zu den Müselmännern übergetreten und bleibe meinem Glauben natürlich treu J
Das bemerkte man schon gleich an meiner unprofessionellen Herangehensweise, hatte ich doch tatsächlich eine SHORTS angezogen. Für den muslimischen Geschmack anscheinend zu knapp.
Der dicke alte Mann an der Kasse holte einen riesigen alten Stofffetzen heraus, den er mir feierlich übergab. Wie eine Schürze sollte ich mir das modische Ding umbinden, versuchte er von heftigem Lachen geschüttelt zu erklären. Während er mich weiterhin schallend auslachte, bemerkte er ganz richtig, dass dieses Outfit ganz tolle Fotos geben würde.
Staunend und fotografierend spazierten wir durch die Innenhöfe und waren völlig hingerissen von den aufwendigen Mosaiken. Rein (innen)architektonisch war dieser Besuch ein voller Erfolg.
Im zur Moschee zugehörenden Café haben wir natürlich auch einen heißen Pfefferminztee zu uns genommen, was zu dem perfekten Besuch dazu gehört. Der Kellner, ein alter bärtiger Mann, ging die ganze Zeit mit einem Tablett mit dampfendem Tee herum und wischte wenig liebevoll die wunderschönen Tische ab. Ihr hättet ihn sehen müssen, ein Musulman wie aus dem Bilderbuch.
Anschließend verbrachten wir eine halbe Ewigkeit im „Souvenirshop“, wo Alena fast eine Ziegenlederlampe und ich fünf Kilo Pfefferminztee erstanden hätten. Es wurden Keramikwaren, um Couscous anzurichten. Gut nur, dass ich in Deutschland wahrscheinlich nie Couscous machen werde, weil ich es dort noch nie gesehen habe. Falls ihr gerade nicht wisst, wovon ich spreche, fühle ich mich in meiner Befürchtung bestätigt. Das Schälchen hab ich aber trotzdem gekauft.
Wir spazierten also zu unserer geliebten, nahe gelegenen rue Mouffetard, um ein Häppchen einzunehmen und gingen weiter Richtung Norden.
In St. Germain des Prés fanden wir einen schnuckeligen Laden, der etwas verkaufte, was ich schon seit acht Wochen suche: Olivenöl in einer kleinen, schönen Dose.
Ich war natürlich hingerissen und wollte es sofort – trotz überhöhter Preise, aber man gönnt sich ja sonst nichts – kaufen.
Alenas und meinem Gourmetauge entging aber nicht, dass dieser Laden recht großzügig Kostproben seiner Waren anbot.
„Hm, das schmeckt lecker. Probier das mal!“, riefen wir uns ganz ungeniert, da auf Deutsch, durch den Laden gegenseitig zu. Und fraßen uns durch alles, was es für lau zu finden gab.
Alena stand schon an der Kasse, zu der ich mich mit einem kostbaren Öl auch schon richtete, als ich sagte: „Boah, ihh! Ich glaub, ich hab grad was mit Fisch gegessen!“
„Ja, diese Sardinen dahinten auf dem Tisch, ne? Die waren echt nicht so gut…“, wusste Alena bescheid. Gut, dass ich diese, zur Abwechslung wichtige, Vorwarnung nicht bekommen hatte. Alenas Colaflasche stand so reizvoll vor mir auf der Kasse. „Hier, trink!“, bot sie mir an und da die Sardinen von besonderer Intensität in meinem Mund nachwirkten, nahm ich an der Kasse in einem italienischen Feinkostladen in einem schicken Pariser Viertel ohne Witz einen Schluck Cola aus der Flasche.
Kaum hatte ich die Flasche an meine nach Meer duftenden Lippen gesetzt, wurde uns beiden klar, dass wir uns in einer ziemlich peinlichen Lage befanden.
„Sie hat von dem Fisch dahinten probiert“, wollte Alena mich beim Kassierer entschuldigen, was völlig nach hinten losging. Als hätte ich etwas Verdorbenes gegessen, setzte der Feinkosthändler seine gespielt verständnisvoll-schockierte Miene auf, wobei er sich innerlich wahrscheinlich totlachte. Diese Touristen, die sich echt an Probehäppchen überfressen!
Meine gute Begleiterin setzte der Wurst auch noch die Krone auf, indem sie nach dem Zahlen Gesichtscremepröbchen verlangte, welches die (ohne Zweifel reicheren) Kunden vor uns bekommen hatten, wir jedoch komischerweise nicht.
Doch die Dreistigkeit siegte und wir zogen mit unseren Proben, vollen Bäuchen und einer kleinen Papiertüte wieder ab.
24.6.07 00:19


Musik in meinen Ohren

„C’est la honte!“, schrie es gestern in mir, „was für eine Schande!“ Die ganze Woche über bin ich abends zu Hause geblieben, was faktisch bedeutet, dass nichts Aufregendes passiert ist. Wie man vielleicht an meinen Einträgen gemerkt hat.
Der gestrige Tag hat endlich meinem tristen Leben ein wenig Farbe eingehaucht.
Es fing nachmittags mit einem unerwarteten Anruf an. Die Mutter ging ran: „Hallo? … Was? … Nein, das passt mir gar nicht! Hier siehts aus wie im Saustall … Ok, Gonzague holt dich ab!“
Onkel Renaud hatte sich angekündigt, er saß schon im Taxi und war fast vor der Haustür. Was für ein Ereignis muss geschehen, dass ein Mann aus Übersee anreist? Der Geburtstag des eigenen Bruders! Scheiße, heute war besagter Ehrentag meines Gastvaters!
Beschämt, weil ich morgens nicht gratuliert hatte (ich wusste es nicht, aber warum sagt er auch nichts, anstatt mich noch breiter als sonst anzugrinsen?), bügelte ich weiter.
Gonzague kam bald darauf mit Renaud wieder, den Aliénor nicht wieder erkannte. „Kein Wunder! Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, warst du so groß wie ein Schuhkarton“, meinte der Onkel.
Gastmutter und Gastonkel verschwanden daraufhin, um ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen, nachdem noch fix der Geburtstagskuchen aus dem Ofen geholt worden war. Hauptsache, alles ist gut geplant und durchorganisiert.
Fünf Berge Bügelwäsche später kamen sie auch schon zurück. Bescherung für die Kinder war angesagt; der Onkel, der so selten kommt, hatte natürlich auch ein Mitbringsel mitgebracht (Comics, in Geschenkpapier eingepackt, mit einem Sticker von einem Geschäft in St. Cloud drauf – unserem Nachbarort… Wer da wohl noch spontan die Geschenke geholt hat?)
Gegen sieben war auch schon das nächste Ereignis auf dem Tagesplan: spectacle von Gonzague.
Vier Kinder, zwei Eltern, ein Onkel und ein Au Pair pilgerten in die Schule, um eine Aufführung besonderer Art mit zu erleben.
Thema: Umweltschutz. Nicht gerade die Domäne der Franzosen, die weder Mülltrennung kennen, noch den Grünen Punkt. Aber die Kinder drückten in ihren sozialkritischen Texten die Missstände unserer Gesellschaft aus und sprachen wichtige Themen wie Umweltverschmutzung und Wasserverschwendung an.
Mein Lieblingslied dieses Abends wurde von verkleideten Erdbeeren und Zucchini gesungen: „Ich muss zwölf Stunden Flugzeug fliegen, nur damit ihr mich essen könnt! Ich habs satt! Ich weigere mich zu wachsen!“
Die letzte Strophe wurde von einem weisen Jungen interpretiert, der uns mitteilte: „Ich werde deine Saison respektieren und dich nur essen, wenn du hier wächst…“ Herzergreifend.
Leider war ich etwas enttäuscht, dass ich direkt vor dem Schulgebäude nur zehn Minuten nach der Veranstaltung drei fette Müllsäcke erblicken musste. Gonzague hatte mir bereits mal erklärt, dass es sich dabei um die Essensreste aus seiner Kantine handelt. Es gibt noch viel zu lernen.
Gestern war ebenfalls der längste Tag im Jahr, Sommeranfang und Sommersonnenwende, so wie ich das verstanden habe. Traurigerweise konnten wir im St. Sulpice den Gnomom nicht bestaunen (vielleicht erinnert ihr euch an dieses Wunder der Natur? Das, was ich nie verstehen, geschweige denn erklären konnte, mich aber durchaus interessiert hätte&hellip.
Dafür wurde gestern in Paris gefeiert. Nämlich die Fête de la musique, das Musikfest. Angeblich hat das natürlich ein Franzose ins Leben gerufen und dieses Musikfest wird schon in über 130 Staaten gefeiert. Vielleicht habt ihr was davon mitgekriegt?
Hier jedenfalls ging richtig die Luzie ab. Wir sind durch die Straßen gelaufen, bzw. manchmal eher gekrochen. Es waren so viele Leute unterwegs, meist tanzend, dass man teilweise gar nicht vorankam.
An jeder Ecke spielte eine mehr oder minder professionelle Band, in allen erdenklichen Musikrichtungen. Am Quai Mauriac an der Seine qualmten die Sohlen, so gingen die Leute zu Rock’n’Roll ab. An der Bastille zuckten die Menschen zu Electro, andere Musikfans, oft mit Rastazöpfen schwebten zu Reggae. Ich habe sogar eine neue Musikrichtung entdeckt, „World“. Da muss ja für jeden was dabei sein, oder?
Gucken, hören, weitergehen, gucken, es war Sinne betäubend. Eine Stadt im Musikrausch… Wow!
Man sah DJs auflegen, aber auch Bands vor Supermärkten performen. Das ganze Spektakel wäre auf jeden Fall was für Papa gewesen, an den ich fast an jeder Ecke denken musste. „Also diese Band spielt Papamusik. Wollen wir weitergehen?“ J
Dieses eine Mal im Jahr fuhren die Züge, selbst nach Ville d’Avray, die ganze Nacht (natürlich nur einmal die Stunde) und auch die Metrolinien wollten die Nacht zum Tage machen (manche Stationen waren komischerweise trotzdem zu. C’est la France.)
Wir erwischten unseren gewünschten Zug, ergatterten Sitzplätze, was dieses Mal nicht selbstverständlich war und wurden trotz alkoholisierten Mitfahrern nicht mit Erbrochenem in Berührung gebracht. Was auch nicht selbstverständlich war.
Ein bisschen traurig war ich schon, als ich gegen zwei Uhr in meinem Bett lag. Aber kein Grund zur Wehmut. In Deutschland wartet auch schon ein Musikereignis auf mich.
Das Altstadtfest.
22.6.07 20:38


Ein Au Pair dreht am Rad

Ich suche immer noch nach plausiblen Gründen, um zu erklären, was heute geschehen ist.
Vielleicht war es, dass ich zu lange geschlafen habe. Denn die Zwillinge hatten keine englische Schule, dafür aber die Erlaubnis vormittags so viel Fernsehen zu gucken und Computer zu spielen wie sie wollten. Das hieß praktisch für mich, dass mich niemand geweckt hat, weil die armen Kinder dachten, ich würde ihnen diese seltenen Rechte wieder entreißen. Können fast neun Stunden Schlaf eine verrückte Tat rechtfertigen?
Vielleicht liegt es auch an meiner ungesunden Ernährung. Da wir leider nichts im Haus haben, was auch nur annährend meinen Appetit auf Gesundes stillt, habe ich mich – wie so oft – von allem ernährt, was ich sonst so gefunden habe. Eine Mahlzeit zuzubereiten ist wirklich unmöglich. Deswegen bestand mein gesamter Mittwoch aus einem einzigen grignotage (Naschen).
Oder aber die Kinder machen mich verrückt. Die entweder bei jeder Kleinigkeit anfangen zu heulen oder einfach überhaupt nicht hören. Ich könnte auch sagen „Bitte iss doch noch eine Packung Chips und krümel sie auf das Bett deiner Eltern, während du brutale Gewaltvideospiele spielst oder die Herr-der-Ringe-Trilogie ansiehst.“ Sie würden auch nicht auf mich hören.
Was war also meine verwerfliche Tat? Nun ja, ich habe mal wieder meinem Ruf, ich sei dauernd „gehetzt“ alle Ehre gemacht und … schon mal meine Koffer gepackt!!!
Die gute Katha nennt das „Probepacken“, aber bei ihr wird das als durchstrukturiert und gut organisiert gewertet.
Sagen wir mal, dass ich garantiert schon eher als Katha „probegepackt“ habe und nicht ohne Grund. In meiner naiven Au Pair Welt habe ich zwar gedacht, dass ich „ganz schön viel“ Zeug in den letzten Monaten zusammengesammelt habe, aber ich habe immer damit gerechnet, alles in meine berühmte rote Tasche zu bekommen. Die rote Tasche wiegt jetzt schon ungefähr so viel, wie mein zukünftiger Sarg samt Inhalt wiegen wird. Und ich habe nur das reingepackt, was ich wahrscheinlich eh nicht mehr brauche.
Langsam steigt in mir also die Verzweiflung auf, denn in genau einer Woche beginnen wieder die soldes, also der Schlussverkauf. Mal abgesehen davon, dass ich nicht (mehr) reich bin, kann ich auf diesen Spaß wohl eher verzichten.
Wie soll ich mir also helfen?
Bei den besagten soldes noch ein hübsches Köfferchen erstehen? Meine Siebensachen in praktischen Plastiktüten verstauen? Oder doch ein Extraabteil für meine Habseligkeiten mieten?
Wie Alena immer so schön sagt, soll man mit allem ein Statement setzen.
An meiner Entscheidung werdet ihr in nur 17 Tagen sehen, ob ich eher asozial bin oder ob ich in diesem Jahr etwas über den Pariser Chic gelernt habe.
20.6.07 20:38


Dinge, die ich machen muss, wenn ich wieder in Deutschland bin

           -            Auf dem Abiball walzen (ich meine nicht zwangsläufig tanzen, walzen kann auch „gehen“ bedeuten)

-          Weisheitszähne ziehen lassen
-          Fett absaugen
-          Mich einer Knieimplantatoperation unterziehen, ohne Witz meine Knie knacken und sind völlig hinüber
-          Geld verdienen (hat jemand von euch einen Job für mich? Ich passe auch auf Kinder auf&hellip
-          Vielleicht doch lieber auf Mamas und Papas Tasche sitzen bleiben
-          Multivitaminsaft aus Fässern trinken
-          Bratkartoffeln essen
-          Eine Grillparty geben
-          Danach wieder Fett absaugen lassen
-          Meine Memoiren schreiben
-          Dieses Projekt fallen lassen, da ich mein Gedächtnis verloren habe
-          Weinen
-          Die Wand in meinem Zimmer wieder rosa streichen
-          In den Heide Park fahren
-          Eine Unizusage bekommen
-          Eine Wohnung suchen
-          Nach Spanien fahren
-          Eine Fotowand aus den ca. 3000 geschossenen Fotos basteln
-          Flora laufen sehen
-          Vom Boden essen, weil mich die Sauberkeit dazu verleiten wird
-          Schlafen ohne von Kindergeschrei aufgeweckt zu werden
-          Endlich kochen lernen
-          Nie wieder bügeln
-          Mein französisches Grammatikbuch verkaufen
-          Nach Paris trampen
-          Zurück kommen, weil ich keinen Pass Navigo mehr habe
-          Ein Schaumbad in unserem Luxusbadezimmer nehmen
-          Circa fünfzehn Werke der Weltliteratur lesen (die schon in meinem Besitz sind, aber wir haben ja keine Zeit!!!)
-          Mich mit Alena im Jolly treffen
-          Meine Hosen auf Bügel hängen
-          Meine Schneckenbettwäsche aufziehen
-          Zum Tankumsee fahren
-          Bei real einkaufen gehen und alles kaufen, was billig ist. Also alles.
-          Ein neues Leben beginnen.
19.6.07 21:40


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