le fabuleux destin de shirin



  Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 

http://myblog.de/shirinenfrance

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Regenwetter

Am Samstag organisierte die Agentur von Alena, Katha und Kathi eine Abschlussfahrt. Schließlich ist ja bald Ende im Gelände mit dem süßen Au Pair Dasein. Auch ich war mit von der Partie, obwohl ich eigentlich nicht zu dieser Agentur gehöre.
Früh aufstehen war mal wieder angesagt, denn Treffpunkt war – wie sollte es auch anders sein – in der hinterletzten Ecke in Paris. Als der Bus mit lauter Au Pairs gefüllt war (darunter sogar zwei Jungs!), ging es los! Total übermüdet hatte ich gehofft, wenigstens ein bisschen schlummern zu können. Aber nein. Giverny, unser erstes Etappenziel war allzu schnell erreicht.
Es handelt sich dabei um die Stätte des Lebens und Wirkens von niemand Geringerem als Monet. Seine berühmten „Seerosen“, die wir noch letztens in der Orangerie sahen, wurden hier an dem dazu passenden Teich gestaltet. Der gute alte Monet hatte sich ein schönes rosa (!) Haus für seine letzten Lebensjahre ausgesucht. Wir standen bei regnerischem Wetter in einer endlos langen Schlange an, um sein Schlafzimmer, seine mit blau gekachelte Küche und sein „Atelier“ mit Imitationen seiner Werke zu sehen.
Versehentlich kamen wir zwanzig Minuten zu spät zum Bus und mussten uns dafür einen blöden Spruch von der Reiseleiterin anhören.
„Wir fahren jetzt weiter nach Deauville. Wer da wieder zu spät kommt, kann ja den Zug zurück nach Paris nehmen, es gibt nämlich eine Direktverbindung.“
Ja, die gibt es. Denn Deauville ist ein berühmter Badeort, der bei den reichen Parisern schwer angesagt ist. Wer das nötige Kleingeld hat, kauft sich eines der vielen herrschaftlichen Strandhäuser, die wir bestaunen konnten. Zufälligerweise regnete es dieses Mal wirklich, was ich Mitte Juni eher dreist finde. Aber so promenierten wir uns durch die Straßen und stellten fest, dass es hier genauso wie in Paris lauter Dolce und Gabbana und Longchamp Läden gibt. Wenn die Pariser in Urlaub fahren, kaufen sie dann wirklich Luxusartikel, die sie bei sich zu Hause auch bekommen können?
Gegen Abend kamen wir wieder in unserer guten alten Hauptstadt an und die Kathi und die Shirin entschlossen sich noch spontan zu einem ausgedehnten Spaziergang.
Gestern dachte ich schon, ich müsste in eine unüberwindbare Depression stürzen. Wie befürchtet regnete es, Alena sagte mir ab *grr* und ich saß zu Hause mit Tränen in den Augen und Wut im Bauch. Gern kann es am Mittwoch regnen. Aber doch nicht heute!
Ich packte meinen Schirm, trotzte dem Regen und Sturm und fuhr nach Paris. Fast zwei Stunden spazierte ich durch Paris und trotz schlechtem Wetter hellte ich meine Stimmung mit einem Mal auf. Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen. Bloß nicht zu Hause verkümmern, raus und die letzten Wochen… oder eher Tage genießen. Nicht mal eine Sturmflut hätte mich davon abgehalten.
In einem Bücherladen stöberte ich noch und konnte fünf französische Werke der Weltliteratur für nur fünf Euro ergattern. Das Zufriedenheitsbarometer konnte fast nicht weiter steigen. Außer, als ich abends noch zu Elodie, meiner französischen Nachbarin ging. Ich weiß gerade nicht, ob ich euch schon mal von ihr berichtet habe, aber sie ist die freundlichste Französin, die ich hier kennen gelernt habe. Sie hat ein kleines Zimmer, in das sie mich manchmal zum Essen und zum Plaudern einlädt. Und das tut wirklich gut, da sie die Leute hier in der résidence kennt und mich bemitleidet, in was für einer Familie ich gelandet bin. Ich glaube fast, dass sie meine Familie schlimmer findet, als ich. Aber wenn ich mal jemanden brauche, der mich versteht, kann ich mich an sie wenden.
Auf Regen folgt Sonnenschein J
18.6.07 09:37


That ist the party - Das ist das Fest - C'est la fête!!!!!

Da bin ich mal wieder! Ich gebe zu, dass meine Einträge immer spärlicher werden, aber gut. Ich will nicht behaupten, dass ich total stressée, busy und vor allem nie disponible bin, aber es wäre nicht gelogen, dass ich in letzter Zeit nicht immer zu Hause bin.

 

Aber ihr kennt ja das Pollexsche Motto: wenn sich die Kinder nicht melden, geht’s ihnen gut.

 

Am Montag war ich zum Beispiel mit der guten alten Kathi-Psychopathi in Montmartre in einem kleinen Café. Wie zwei alte Hasen wollten wir „une orangina et une schweppes“ bestellen, aber der Kellner bemerkte spitz „Also das heißt UN orangina et UN schweppes…“. Unsere Bestellung brachte er trotzdem.

 

Gestern war „endlich“ mal wieder ein eher unchilliger Mittwoch. Als ich mich so gegen Viertel nach acht in meinem Bettchen räkelte, wusste ich noch nicht, was alles auf mich zukommen würde! Zunächst blockierte der Vater eeeeewig lang das Badezimmer. Erst als er endlich weg war, konnte ich schnellstens unter die Dusche huschen und trotz kurzer Haare schnellstens föhnen.

 

Pünktlich kam ich mit Gonzague, Blanche und Aliénor zur Bushaltestelle und auf ging es nach Sèvres. In ihrer englischen Schule wurde ein Jahresabschlussfest veranstaltet. Bemitleidenswerte Schüler mussten mit peinlichen Schildchen „Poem for free“ und jedem, der sie ansprach ein Gedicht aufsagen. Fast hätte ich das sogar mal versucht, aber ich fand die richtigen Worte nicht. Denn Aliénor uns ich waren wohl die beiden Einzigen auf dem Fest, die kein Englisch konnten

 

Die Zwillinge hatten sich schon nach circa drei Sekunden von uns verabschiedet und so fühlten Aliénor und ich uns wie eine Insel in einem „anglophonen Meer“, falls sich jemand an das Schicksal Québecs erinnert.

 

Dafür plünderten wir das kostenlose (!) Buffet („Shirin, ich will noch mehr Weintrauben…“ „Ja, ich will auch noch mehr Erdbeeren. Willst du auch noch was trinken?&ldquo. Geschickt gelang es mir, sie vom buffet payant (das Buffet, wo man zahlen muss) weg zu manövrieren, bevor sie unnötig Tränen vergoss. Denn ich wollte ihr – warum auch immer – den lustigen (ganzen) Kuchen für fünf Euro nicht spendieren.

 

Irgendwann wurde uns langweilig, das Buffet war leer und wir mussten zu unserer Unterhaltung englischsprachige Lieder anhören. Hm.

 

Aber ein Highlight (bemerkt ihr meine coole englische Wortwahl?) sollte dieses Event doch noch zu einem real success machen: face paintings.

 

Wie auf jeder richtigen Kinderparty wurden auch Kindergesichter bemalt. Aliénor ließ sich diese einmalige Chance nicht entgehen und wollte eine Erdbeere im Gesicht haben. Wir standen lange in der Schlange an, sodass sie noch Zeit hatte, sich für das Motiv „Marienkäfer“ zu entscheiden. Letztendlich wurde sich Opfer der aktuellen Trends, um nicht fashion victim zu sagen, und entschied sich – wie ihre Vorgängerin auch – für das klassische „Prinzessinnen-rosa-Glitzer-Motiv“.

 

Zu meinem Leidwesen musste sie ab nun rein zufällig alle zwei Minuten auf die Toilette, wo ich sie nach erledigtem Geschäft hochheben musste, damit sie ihr Prinzessinnenantlitz bewundern konnte.

 

Unglücklicherweise verpassten wir genau unseren Bus, was aber nicht wirklich schlimm war, denn der nächste kam „schon“ nach einer halben Stunde. Alleine dreißig Minuten zu warten ist schon schlimm. Aber mit drei Kindern, die gerade einen Ball gewonnen haben und auf dem ein Meter breiten Fußgängerweg damit spielen, ist bei Weitem noch schlimmer. Der Ball rollte wie befürchtet auf die Fahrbahn und ich starb tausend Tode, als ich Gonzague schon vor meinem inneren Auge vom Auto überfahren sah.

 

Das Ballspielverbot meinerseits hatte allerdings nur zur Folge, dass ein neuer Streitgrund hermusste.

 

„NEIN! DU SOLLTEST NICHT ALLE BONBONS ESSEN! ICH HATTE NICHT VIELE! JETZT HABE ICH GAR KEINE MEHR!!!“.

 

Als ich die ersten deutschsprachigen Menschen in meiner Nähe ausmachte, hörte ich auf, immer auf Deutsch „Ich hasse Kinder“ vor mich hin zu murmeln.

 

Abends war ich heilfroh, dass ich mit Alena und Kathi nach Paris fahren konnte, wo wir eine Monstertour zu Fuß zurücklegten. Ach ja, das Leben ist schön

 

14.6.07 21:13


Kurzer Lagebericht

Oh Mann! Warum ist mein letzter Eintrag nicht da? Ich hatte letztens schon von meinem Wochenende berichtet, aber anscheinend ist der Eintrag auf der großen Datenautobahn verloren gegangen. Also nur kurz:

 

Zwei Geburtstage gab es an diesem Wochenende (nach) zu feiern! Katha und Alena luden aus diesem Anlass zum großen Picknick im Bois de Boulogne ein. Besonders weil wir nur zu viert waren, der harte Kern eben, wurden unsere Bäuche im Laufe der Fressorgie immer dicker. Nein, wir haben nicht den ganzen Tag nur gegessen, aber aufgrund der Unzuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel haben wir am Samstag nichts weiter unternommen.

 

Am Sonntag hingegen wollten wir mal wieder einen kulturellen Punkt in Angriff nehmen. Das Musée Bourdelle schien hierfür hervorragend geeignet zu sein und so sahen wir die Werke des Skulpteurs Antoine Bourdelle. Mein Favorit war übrigens die überlebensgroße Darstellung eines reitenden Generals, welches so groß war, dass ich am Fuß des Pferdes hin und herbaumeln konnte.

 

Übrigens ist etwas GANZ Schreckliches passiert: mein Fotoapparat weigert sich meine Fotos auf meinen PC zu kopieren. Ich hatte durchaus vor, in den letzten drei Wochen noch einige Aufnahmen zu machen, aber nun? Meine alte Schnappschusskiste hat allerdings auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Viereinhalb, um genau zu sein, was für sie ganz schön gut ist. Ach ja, sie hat schon gute Dienste geleistet, aber anscheinend ist damit jetzt Schluss. Och Mann…

 

Morgen wir übrigens ein ganz toller Mittwoch: Ich darf mit Aliénor, Gonzague und Blanche im Bus (!) nach Sèvres zu einer Party (!) in ihrer Schule fahren, die zwei Stunden (!!!) dauert und das auch noch ganz alleine (!!!!).

 

Bon voyage…
12.6.07 22:17


Genervte Hausfrau von iPod-Mafia belästigt

Es ist immer wieder erschreckend, wie viele verschiedene Mafiauntergruppen auf der ganzen Welt verstreut sind. So zum Beispiel die iPod-Mafia, mit der ich schon enge Kontakte geknüpft habe.
Ahnungslos wie ich immer durch die Gegend laufe, habe ich die Mafiosi zuerst gar nicht wahrgenommen.
„Hey, gib mir deinen iPod“, werde ich blöd von einem Rotzlöffel angemacht. Ruck zuck stehen drei weitere Bengel daneben, die so aussehen, als wäre sie zu allem fähig. Für ihr Alter – ich schätze etwa elf – waren sie aber irgendwie niedlich und ich meinte nur so „Nee“ und bin schmunzelnd weiter gegangen. Was für ein erbärmlicher Versuch.
„Oh, sie ist Engländerin!“, schrie der eine und ich rollte schon wieder genervt mit den Augen. Auch wenn das jeder zweite Franzose, den ich treffe denkt: ich bin keine Engländerin!!!
„NEIN! Bin ich nicht!“, gab ich zurück und das Rätsel raten konnte weiter gehen. „Irin? Schottin? Norwegerin?“ Ähem.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich sie nun wenigstens einmal pro Woche treffen sollte. Ich wurde immer mit einem „Oh, da ist sie ja, die Irin!“, begrüßt und dann gefragt, ob ich heute den iPod zu verschenken hätte. Nein. Ob ich ihnen dann mein eastpak-Schlüsselband geben könnte. Hallo? Haben die kein Zuhause?
Heute traf ich meine Mafiabubis wieder. Einziger Unterschied: ich hatte Blanche und Gonzague im Schlepptau. Mittlerweile hatte die Bande sogar meine Nationalität verinnerlicht und begrüßte mich mit „Salut, l’Allemande“, aber auch dieses Mal lehnte ich das „Angebot“ ab. Mir war es etwas peinlich, dass sie mich wie Ihresgleichen behandelten, mir gutgelaunt die Hand auf die Schulter legten und offensichtlich ein Schwätzchen mit mir zu halten gedachten. Ich sah ja auch nicht wirklich so aus, als würde ich hart für meinen Unterhalt arbeiten.
So schnell es ging, flüchtete ich mit den Zwillingen, die schon um das Wohlergehen meines iPods bangten. „Wir können ihn auch beim Tennis für dich aufbewahren. Nachher wollen sie ihn dir auf dem Rückweg klauen…“
Aber mutig wie ich nun mal bin, trat ich ganz alleine den Rückweg an, auf dem mir – ja, ihr habt richtig geraten – selbstverständlich die iPod-Mafia ein weiteres Mal auflauerte.
Ich solle ihnen ein deutsches Schimpfwort beibringen.
Zunächst war ich etwas geschockt und auch überfordert. Schließlich kenne ich mich ja praktisch gar keine Schimpfwörter. „Los, sag uns was Motherf***** auf Deutsch heißt…“
Die überaus witzige Shirin antwortete: „Schnuckelchen“ und die Rotzgören sagten sich gegenseitig ganz aufgeregt immer wieder „Schnuckelchen“ vor, damit sie diesen kostbaren Wortschatz auch ja verinnerlichen würden.
Nächste Woche werden sie das Wort „Knutschkugel“ lernen.
Ansonsten haben meine vier Kinderchen wirklich alles daran gesetzt, mir mal so richtig auf die Nerven zu gehen. Ständig verkloppen sie sich gegenseitig, schreien sich an, wollen nicht essen, wollen immer nur Nachtisch, wollen ein Glas Wasser, wollen einen Teller in einer anderen Farbe, wollen ein anderes Glas, wollen Käse, mögen keine Klöße, wollen nicht in die Badewanne, wollen sich nicht einseifen, wollen nicht aus der Badwanne raus, pieken mich in die Seite, schreien mich an, ich schreie zurück…
Das dîner, das heute eine Dreiviertelstunde gedauert hat, obwohl die Kinder praktisch nichts essen und nur Dreck machen, hat mir für heute den Rest gegeben.
Es lebe das Wochenende.
7.6.07 20:53


Mittwoch # 31

 

Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Sondern ein Puddingessen und Kekseverzehren. Jedenfalls, wenn man das große Glück hat, ein Au Pair zu sein.

 

Der Tag begann mit einer Riesenmenge Shampoo für meine klitzekleine Haarpracht (… die Macht der Gewohntheit) und geschätzten 3,5 Tonnen Bügelwäsche.

 

Aliénor hatte ich eine Bude aus Kissen gebaut, so dass ich sie praktisch gar nicht gesehen habe.

 

Man darf mir übrigens gratulieren, denn ich habe heute das erste Mal in meiner Au Pair Karriere Aliénor zum Mittagsschlaf zu bewegen. Immerhin schon nach 31 Wochen. Was für eine Bilanz!

 

Ansonsten hat Blanche heute feststellen müssen, dass sie „mehr Angst“ vor mir hat, seitdem ich die Haare kürzer habe. Ich habe mich halbtot gelacht, besonders über die Bemerkung, dass ich seitdem ja auch so viel strenger wäre („Charles, runter vom Tisch!&ldquo. Vielleicht sind sie es aber auch, die seitdem extrem dreister geworden sind. Man weiß es nicht.

 

Am liebsten hätte ich es wie die Mutter gemacht und mich nachmittags ein Stündchen aufs Ohr gelegt. Aber so musste ich halt schlafen „spielen“, was auch ganz gut klappte. Aliénor war die Mutter, die auf dem Spielplatz feinen Sand siebte, während ich auf der Bank lag und auf sie zu hören hatte. „Schlaf, Shirin!“. Kein Problem.

 

Abends lieferten Charles, Aliénor und ich uns eine Kissenschlacht, wobei ich im Mund blutend endete und Aliénor vermutlich mit einer Gehirnerschütterung.

 

Jedenfalls bin ich jetzt froh, dass ich meine Ruhe hab. Zwölf Stunden am Stück mit Aliénor, da kann man auch mal müde sein.

6.6.07 20:17


Ja, okay...

Torben findet meine Frisur natürlich toll. Und natürlich mit Recht, weil ich selbstverständlich umwerfend aussehe. Ich wollte nur kurz übertreiben...

6.6.07 19:58


Mein Baby war beim Frisör...

... und jetzt mag ich sie nicht mehr. Mein Baby war beim Haare schneiden und jetzt kann ich sie nicht mehr leiden.

So oder so ähnlich werdet ihr bald Torben hören. Denn ich habe heute den mutigen Schritt gewagt und war tatsächlich beim Maître Coiffeur.

Von Meister kann eigentlich nicht wirklich die Rede sein. Die Frisörkette "Dessange", die einen guten Ruf genießt ("Offizieller Partner der Filmfestspiele in Cannes" bildet nämlich den Nachwuchs aus. Wer arm wie ein Au Pair ist, kann sich von einem Profi an der Schere in spe die Kopfhaut massieren lassen.

Der ganze Spaß kostet nämlich nur 5 Euro, ein Grund das Geldargument zu entkräften und doch mal wieder die Spitzen schneiden zu lassen.

Nadia aus Nancy (extra für Leif: es handelt sich hier um eine Stadt und nicht um den wunderschönen Mädchenvornamen) kam gleich ganz professionell auf mich zu und stellte erstmal das Essentielle fest.

"Ein kleiner Wirbel hier oben, ... eckige Gesichtsform, da muss ich die Haarlänge mal so lassen... Steh mal auf, dreh dich mal. Ah ja, alles klar"

Auch der Maître Coiffeur Frank, ihr Boss, war mit ihrem Vorschlag für meine neue coupe, meinen neuen Haarschnitt völlig zufrieden.

Auf gings. Stufig sollte es werden und ein wenig kürzer. Ich war schon etwas enttäuscht und fragte, ob man eine große Veränderung sehen wird. "Ja", versprach Nadia.

Ein nervöser Blick auf die Uhr. Den Zug um 16h sollte ich wirklich kriegen. Ansonsten würde ich meiner deutschen Pünktlichkeitsehre nicht gerecht werden.

Ich rechnete schon mit dem Ende des Haarelassens, als ein wütendes "MACHST DU DAS MIT ABSICHT???" durch den Raum tönte.

Monsieur le Maître kam zu uns herübergeflitzt und "entdeckte", dass die gute Nadia die Schere völlig falsch hielt. "So geht das doch nicht! Du machst die Schere ja ganz kaputt!... Nein, doch nicht so!"

Nadia setzte circa sechs mal an der gleichen Strähne an, doch Frank war nicht zufrieden. "Die Kundin geht erst, wenn du eine vernünftige Strähne geschnitten hast."

Ein weiterer Blick auf die Uhr und leises Schluchtzen von der Praktikantin hinter mir. Tränen - meine Haar müssen hin sein. Ein Glück war ich auch nicht im Stress oder so.

Ein Glück gab es da noch die amuröse Spannung zwischen Frank und Nadia, die die Spannung wieder nahm. Frank wollte unter keinen Umständen, dass die hübsche stagière böse auf ihn sei. er sei doch da, um sie auszubilden un zu ärgern.

Als sich alle wieder lieb hatten, konnten meine Haar endlich in aller Seelenruhe geföhnt werden. Frank fand meine coupe ganz toll, ich riss mir nur den Kittel vom Leib und sprintete zum Bahnhof.

Da rollte er vor meinen Augen weg, der alte Zug. Eine SMS an die Gastmutter mit einem "es tut mir WIRKLICH total leid" und ich konnte wieder aufatmen. Fast wäre ich auch noch in Ohnmacht gefallen, weil ich vor Aufregung nichts gegessen hatte.

Nervös wollte ich in meine Haare greifen, als mir erst bewusst wurde, dass sie ungefähr drei Meter kürzer sind.

Ich bin nicht unzufrieden, natürlich sind sie auch nicht wirklich sooo viel kürzer. Aber ich kann nur noch einen winzigen Stummelzopf machen.

Aber ein bisschen traurig bin ich schon, dass meine langen Haare einfach abgeschnitten wurden. Nur weil Nadia noch mal und noch mal ihre Stufen üben musste.

Aber egal, das wächst ja nach.

 

5.6.07 23:07


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung