le fabuleux destin de shirin



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Die Leiden der jungen Shirin

Ein Drama in 5 Akten, basierend auf wahren Begebenheiten

 

Prolog

Shirin, das deutsche Au Pair Mädchen der Familie M., erwartet voller Vorfreude die Ankunft ihrer Eltern und ihres Bruders. Nachdem sie den Dienstagnachmittag, gequält von heftigem Kopfschmerz und starken Gliederschmerzen, im Bett verbringt, glaubt sie am nächsten Morgen wieder voll Eifer an die Arbeit gehen zu können.

 

  1. Akt, 1. Aufzug

Wohnung der Familie M.

 

SHIRIN (aus dem Bad kommend): Wie wird mir? (fällt zu Boden)

FRAU M.: Shirin! Haben Sie geohnmachtet? Ich rufe den Hofarzt, er wird Sie heilen!

 

  1. Akt, 2. Aufzug

Wohnung der Familie M.

 

HOFARZT: Sorgen Sie sich nicht! Sie werden bald genesen. Nehmen Sie diese vier Mittelchen, sie werden ihrem geschundenen Körper wohl tun. Ich verordne Ihnen strenge Bettruhe. Das macht sechzig Goldstücke*. Auf Wiedersehen.

 

* Anm. d. Redaktion: entspricht heutzutage in etwa sechzig Euro.

 

  1. Akt, 3. Aufzug

Shirins Kämmerchen

 

SHIRIN (leidend): Ach, ach, ach! Wie elend mir ist! Welch hartes Los ist doch mein Dasein! Mein Ende ist nahe! Ich blicke dem Tod ins Auge.

 

 

  1. Akt, 1. Aufzug

Shirins Kämmerchen

SHIRIN (noch leidender): Heute ist die Ankunft meiner Lieben angesetzt! Und ich arme Magd werde hingerafft von schwerer Krankheit. Mein Gemüt ist betrübt.

BLANCHE betritt die Kammer.

BLANCHE: Am Montag wirst du wieder arbeiten! Sonst lohnt es sich nicht dich überhaupt zu haben.

 

  1. Akt, 2. Aufzug

Shirins Kämmerchen

(Es klopf, die GROßMUTTER tritt ein)

GROßMUTTER: Oh, Sie Ärmste! Kann ich Ihnen etwas bringen? Ein wohltuendes Aufgussgetränk?

SHIRIN: Nein, danke. Bitte machen Sie sich keine Umstände. (zu sich) Halten Sie mir bloß die Kinder vom Leibe.

 

2. Akt, 3. Aufzug

Shirins Kämmerchen

ALIENOR (tritt ein, ohne zu Klopfen): Fahr zu deiner geliebten Mutter und zu deinem geliebten Vater! Sie werden dir eine Arzenei geben, dann wirst du bald nicht mehr so stark husten. Ab.

SHIRIN (lächelt)

ALIENOR (kommt zurück): Und jetzt schläfst du! Wenn dich Schmerzen plagen, rufst du mich. Aber du weinst nicht! Soll ich die Türe zu deiner Kammer schließen? Oder bangst du in der so schwarzen Nacht?

SHIRIN: Nein, die Türe soll geschlossen sein. Ich blickte in das Aug des Todes. Was fürcht ich da noch die Dunkelheit?

 

  1. Akt, 1. Aufzug

Shirin in der großen Stadt

 

SHIRIN: Töricht muss ich sein! Allein dieses Wagnis einer langen Reise einzugehen. Aber die Sehnsucht nach meiner Familie ist größer als die Furcht vor der Ohnmacht. Allzu bald werde ich sie erblicken!

 

  1. Akt, 2. Aufzug

Shirin vor dem Rathaus

SHIRIN: Welch Freudentag! Samt dem großen Gefolge sind sie hergekommen! Mutter! Vater! Mein Bruder!

MUTTER und VATER: Unsere Tochter!

LEIF: Mein Schwesterherz!

SHIRIN: Lasst uns die Stadt erkunden und fröhlich sein!

 

(Die Promenade führt an der Seine entlang, bis zum Louvre. Mit der Metro fahren sie zunächst zu den Champs Elysées, wo sie den Triumphbogen sehen, dann zum Trocadéro zum Eiffelturm.)

 

SHIRIN: Mutter! Bruder! Kommt! Wir lassen das Gefolge hinter uns, wir setzen unsere Promenade fort.

 

(Der Weg führt auf den Montmartre, ins Sacré-Coeur, auf die Stufen davor, von wo aus sie einen herrlichen Ausblick genießen)

 

LEIF: Ei, ei! Schaut her die lust’gen Spielemänner, weither gereist aus fernen Ländern! Welche fremdartige Weise zu singen!

SPIELEMANN (singt): Lemon triii, … ei laik to schäinsch mei ponsch of wiu… Oh, okayyy, wi sing a song that wi compouss auaself: Hotel Cälefornja… such a lonely place…

 

(Die drei Besucher fahren noch in den Jardin du Luxembourg, spazieren im Quartier Latin, gehen in die Buchhandlung „Shakespeares’s and Co.“ und machen sich dann auf den Weg, ihr Gefolge wieder zu treffen. In dem kleinen Ort Nogent-sur-Marne geben sie ein rauschendes Konzert, welches ein voller Erfolg wird.)

 

  1. Akt, 1. Aufzug

Kirche in Nogent-sur-Marne

MUTTER (müde): Meine Tochter hat mir den Schlaf geraubt! Ihr Keuchhusten bringt mich noch ins Grab.

LEIF: Ich wünschte, ich hätte einen Barrnarrnensarrlarrt mit Schlarrgsarrne!

SHIRIN: Ich bin so leidend.

 

  1. Akt, 2. Aufzug

Haus in Villepinte

 

(Gegen Ende des Gottesdienstes ist das Gefolge, zum Dank für ihre großartige Spielkunst, zu einem großen Festmahl in Villepinte eingeladen! Bis zum Abend sitzen sie zusammen, essen, trinken, freuen sich. Doch der Abschied nähert sich.)

 

SHIRIN: Lebt wohl, meine Lieben! Kommt mich recht bald wieder in diesem fernen Land besuchen.

MUTTER: Gerne würde ich dies tun, mein liebes Kind! Werd schnell gesund.

VATER: Adieu, mein Tochterherz. Welch wundervolle Reise wir gemacht haben.

LEIF: Ja, diese urbarrne Stadt ist wirklich herrlich.

ALLE: Lebt wohl!

 

4. Akt, 3. Aufzug

zurück im Haus der Familie M.

 

FRAU M.: Gegrüßt seiest du, teuerste Magd! Bist du wieder vollends genesen? Verbrachtest du eine angenehme Zeit?

SHIRIN:  Ja, vielen Dank. Ich bin wohl auf und ich hatte eine wundervolle Zeit.

FRAU M.: Der Schrecken wird dich holen! Denn die Krankheit geht nun in unseren Kammern um.

 

  1. Akt, 1. Aufzug

Shirin in ihrem Kämmerchen

 

SHIRIN: Ja, ich bin fast gänzlich genesen. Doch muss ich um einen Rückfall bangen. Aliénor und Charles, von der Krankheit erfasset, gehen heute nicht in die Lehranstalt, sondern bleiben stets um mich herum. Schlafen sollen sie! Schweigen! Das Bette hüten! Doch dauernd kommen sie, mich in meinem Frieden zu stören. Möge Großmutter bald kommen und mir ihrer ständigen Klagen vom Leibe halten. Aber diese Hoffnung trage ich bereits zu Grabe.

 

Epilog

 

Shirin, das deutsche Au Pair der Familie M., nutzte die Zeit um die Wäsche von fast einer Woche zu waschen, alle daheim gebliebenen Interessenten ihres Lebens endlich über die letzten Tage zu informieren und um sich von diesen anstrengenden Strapazen zu erholen. Um die französische Grammatik wollte sie sich ab morgen wieder kümmern.

 

 

ENDE

5.2.07 10:10


bitte entführt dieses schreckliche kind

endlich ist dieser endlangweilige mittwoch vorbei. ich dachte schon, das nimmt nie mehr ein ende.

leider bin ich zur zeit ziemlich genervt. der grund? aliénor, das kleine monster, hat mir ganz grundlos das leben schwer gemacht. "nänänänänä, ich hab einen scha-hal und du-hu ni-hich". als ob mich das in meiner persönlichen würde angreifen würde, ging der gesang weiter "nänänänänä, morgen arbeitet meine mama nicht, und dann kümmert sie sich um mich und nicht du". ich dachte mir nur "nänänänänä, ich bin schon gro-hoß und kann schon allein ins ki-no", packte meine kleine tasche und traf mich mit meinen leidensgenossinnen in la défense, um "bobby", ein werk des septième art zu sehen.

das böse erwachen kam natürlich am nächsten morgen, als ich mich wider erwarten DOCH um aliénor kümmern sollte. wer hätte damit gerechnet? "tu me touches pas" tu me regardes pas!" (du fässt mich nicht an, du guckst mich nicht an) waren ihre worte. und so wurde anziehen, zähne putzen, gesciht waschen und einfach ALLES zum drama. sowie natürlich baden am abend. traurigerweise darf ich sie nicht unbegrenzt in ihr zimmer einsperren, ich muss sie irgendwann wieder rausholen. nur damit ich neben ihr sitze, "mit ihr spiele", was so viel heißt wie "du darfst die karten nicht anfassen... ich gewinne, weil ich sonst immer verliere... nein ich spiele doch nicht... nein ich räum nicht auf".

bei den anderen kindern bin ich dafür umso beliebter. "was würden wir nur ohne dich machen? ich meine, du bist so nett, du tust uns jeden gefallen. es wird so traurig, wenn du gehst", sagt da zum beispiel die gute blanche. dieselbige war ganz hin und weg, als sie gesehen hat, wie gut ich nähen kann. wer mich etwas kennt, weiß vielleicht noch, dass ich ein der 3. klasse einen rechteckigen topflappen häkeln sollte. und er dreieckig wurde. daraus könnte man wohl schließen, dass ich keine handwerklich/textilgestaltende ader habe (wobei häkeln natürlich nicht nähen ist). aber meine dürftigen fertigkeiten reichten, um "blanche" auf einen schlaf zu sticken und sie endlos damit zu beeindrucken.

auch gonzague lobte mich ungerechfertigterweise in den höchsten tönen. ganz beschämt tischte ich ihm ein völlig verkohlten croque monsieur auf. seine reaktion? "deine kinder werden sich freuen". wie bitte? welche kinder? "na, deine kinder später! du machst so köstliche croques monsieur! du solltest ein restaurant in paris aufmachen!" ich hätte ihn knuddeln können!

auch charles hat sich bei mir bedankt, dass ich immer sein zimmer aufräume, was ich sehr gerne tu. achtzig mal lieber als ihn zu zwingen, es mit mir aufzuräumen, was nie funktioniert. der gute hat mich auch wieder mal mit geschichten über mme cremer erheitert. falls ihr sie noch nicht kennt, muss ich sie mal bald bei gelegenheit ausführlich vorstellen. denn es kommt mir so vor - obwohl ich sie noch nie sah - als ob ich sie seit je her kennen würde. bald mehr davon.

7.2.07 21:46


kriegsbericht - im westen nichts neues

der kälteste krieg seit dem kalten krieg spitzt sich immer weiter zu. die beiden unermüdlichen gegner: shirin vs. aliénor. die friedensverhandlungen sind auch heute wieder aufgrund massiver provokationen beiderseits gescheitert. die deutsche seite wollte ihr errungenes gebiet "schlafanzug" nicht preisgeben, der französische gegner weigerte sich allerding vehement den strategisch wichtigen pyjama fallen zu lassen. natürlich hat deutschland den sieg auf sich vereinigen können. aber wer die schlacht gewinnt, gewinnt ja bekanntlich noch nicht den krieg.

die französische rekation: rohe gewalt. "ich reiss dir den daumen ab", worüber die hartgesottenen deutschen nur schallend lachen konnten. einen winzigen franzosenfinger hab ich schließlich täglich zum goûter.

zudem stellten sich die francophonen gegner als äußerst ungeschickt im umgang mit meinen hervorragend ausgebildeten spitzeln heraus. blanche, die französische deserteurin auf meiner seite, stellte kniffelige fragen ("warum magst du shirin nicht?" und brachte brisante neuigkeiten ("weil sie mich nervt, mich dauernd stört, weil sie ein junge ist und ein baby". die arbeiten zur interpretation dieses rätselhaften textes laufen noch auf hochtouren.

auch der streit um die knappen lebensmittel entfachte erneut einen erbitterten kampf. deutschland wollte frankreich zwingen einen bereits nachmittags angefangenen und nicht aufgegessenen apfel zu essen. das französische lager witterte bei dem anblick der bräunlich angelaufenen frucht einen biologischen anschlag ("il est pourri!", es ist schlecht). es forderte den alleinigen gebraucht von chemischen waffen (vache qui rit) und konnte unverdient einen unfairen kompromiss aushandeln: 2 bissen vom apfel, dafür eine ganze vache qui rit, zusätzlich das angebot weiterer joghurts. deutschland machte von seinem veto-recht gebrauch. vergeblich.

die von der UNO entsandte vermittlerin mme m. sah die aktuelle situation gelassener. deutschland dürfe sich nicht provozieren lassen und müsste die unreife der franzosen erkennen, die ihren hass auf die deutschen projezieren würden. zu diesem diplomatisch klugen schritt entschloss die die deutsche führungselite, nicht aber ohne geheime drohungen auf deutsch zu flüstern ("grrr, ich hasse dich auch, sei endlich still oder ich verstecke dein spielzeug!".

fest steht nur, dass dieser krieg noch viele weitere unschuldige opfer fordern wird. ab morgen abend um punkt 20 h ist eine 3 tägige waffenruhe geplant. es ist wahrscheinlich, dass die kampfhandlungen am montag fortgesetzt werden.

8.2.07 20:29


Shirin in der Russendisko

Überraschende Wende im kalten Krieg! Frankreich hat sich am frühen Morgen des 9. Februars einfach entschlossen zu ignorieren, dass wir uns durchaus noch im Kriegszustand befinden. In einem symbolischen Akt reichte die französische Regierung der deutschen ihre kleine Patschehand zu einem versöhnlichen Spaziergang zur nahe gelegenen Schule. Deutschland ist aber trotz französischer Bemühungen nicht gewillt, die Unabhängigkeit anzuerkennen. Frankreich bleibt unter deutscher Besetzung.

 

Gestern Abend war es dann auch endlich so weit! Das lang ersehnte „spectacle“ im Kindergarten fand statt! Falls ihr euch nicht erinnern solltet, was ich eigentlich ausschließe, hier noch mal eine kleine Auffrischung eures Gedächtnisses: in der maternelle haben die Kinder in den letzten Wochen russische Wochen gehabt. Den immensen Aufwand, den sie während dieser Zeit betrieben haben, sollte eine kleine Feier würdigen.

Aliénor sah glaub ich am russischsten aus, in ihrem weißen Hemdchen und ihrem roten, fliegenden Rock. Dazu noch die gebastelte Krone – perfekt. Es gab doch tatsächlich Mädchen, die ein rosa Tütü trugen, was ich nicht nur deplatziert, sondern auch reichlich kitschig, wenn nicht sogar hässlich fand. Das erste Foto, das meine beste Freundin, die Digitalkamera schoss, galt aber nicht Aliénor, sondern dem Direktor. Innerlich hab ich mich fast nicht mehr eingekriegt! Der arme Mann, der täglich immer so ernst und vernünftig seine maternelle leitet, stand in Bärenfellmütze und Goldknopfweste am Eingang und wiederholte immer wieder die gleichen Informationen, die das Aufhängen von Jacken betrafen. Wie er aussah! Ich glaube, ich kann ihm nie mehr morgens „Bonjour“ wünschen ohne mich halbtot zu lachen!

Dann begann das spectacle. Ungefähr zehn Minuten tanzten und sangen die Kinderchen im Kreis, während die Eltern stolz wie Oskar dauernd die Namen ihrer Schützlinge riefen und ihnen zuwinkten. Die Lieder handelten – wie ihr euch schon denken könnt – natürlich von der Babajaga, der Toika und der Balalaika. Wovon sonst.

Danach durfte man in die Klassen der Kinder gehen, die Babuschkas, die sie gemalt hatten bestaunen, Blinis („mit viel dicke Hefe&ldquo essen und lauter lustige Spiele wie Dosenwerfen spielen. Da die Kinder ihren Spaß hatten und meine Gasteltern soziale Kontakte pflegen wollten (selbstverständlich nicht mit mir) und ich quasi ganz alleine war, gab es für mich nur eine Lösung. Der Vodka-Stand. Eine freundliche Erzieherin machte mich darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um Alkohol handelte. Danke für diesen Hinweis. Natürlich war die Mische nicht so stark, dass ich nackt einen Kasatschok auf den Kantinentischen hinlegen wollte, aber für einen kurzen Augenblick fand ich die rauschende Russendisko gar nicht mal so übel. Aber spätestens als ich beim dritten Mal am Vodka-Stand nur halbvoll eingegossen bekam, wurde mir klar, dass ich (obwohl es Wochenende und bereits nach Acht war) mich nicht auf einer Kinderparty besaufen sollte. Stattdessen ließ ich ein Foto von Charles und mir machen. Er als kleiner Alexandrj und ich als Olga, standen wir hinter einer bemalten Pappwand, die nur ein Loch für das Gesicht freiließ.

 

Das restliche Wochenende bis jetzt ist schnell zusammengefasst. Abends waren wir noch in Montparnasse im Kino bei „Odette Toulemonde“, einem ganz netten französischen Film. Heute waren wir in Paris, haben uns ein bisschen auf dem marché des puces, dem Flohmarkt umgeschaut und waren danach beim Inder essen. Total enthusiastisch bin ich aber grad wieder zu Hause, da ich die Kinderchen hüten darf. Das Leben ist kein Zuckerschlecken, sage ich immer. Oder auch: chacun à son goût.

10.2.07 19:37


La jeune fille aka Cupidon

Falls es irgendwo da draußen Leute gibt, die den Beitrag von gestern vermisst haben: Es gibt natürlich auch dieses Mal eine plausible Erklärung. Die 5 wohl kulturhungrigsten Au Pairs im Großraum Paris (namentlich seien mal Alena, Kathi, Katha, Mailin und Shirin genannt) unternahmen eine abendliche Fahrt zur Place de la République, wo im Theater „Le Temple“ ein spectacle der besonderen Art stattfinden sollte. Dachten wir. Groß angekündigt wurde D’Jal, ein Stand Up Comedian mit arabischen Wurzeln. Wie wir es vielleicht von einigen türkischen Mitbürgern kennen, hielt sich D’Jal für einen erstklassigen Tänzer. Die halbe Show war eine Demonstration seiner heißen moves, die leider weder professionel, noch beeindruckend waren, sondern nur Schweißflecken verursachten. Wobei man in dieser Domaine eine Fasteuropameisterin natürlich nur schwerlich beeindrucken kann. Aber auch der Rest war eher eine Enttäuschung. Er hat sich darüber ausgelassen, wie er ein Eichhörnchen überfahren hat. Oder wie warum er Muslim ist. Als er einen Portugiesen nachgemacht hat, sprach er mit einem unmöglichen Akzent, den wir leider mal gar nicht verstanden haben. Die Kopftuchfrauenfraktion eine Reihe vor uns fand aber alles total lustig. Was sie durch ein penetrantes, fiepsiges Quietschen deutlich machten. Für uns lautete das Fazit: Wir haben selten so herzhaft nicht gelacht.

 

Die Sonne ging unter, die Sonne ging wieder auf: der nächste Tag kann ja wieder ganz anders werden! Nach der Sprachschule habe ich heute mit meinen Leidensgenossinnen einen unterhaltsamen Ausflug in die französische Konsumlandschaft gemacht. Sprich: ins große Einkaufszentrum in La Défense.

Nach einem ausgiebigen Einkauf im Auchan, dem relativ günstigen hypermarché (da seht ihr mal wie riesig die Dimensionen hier sind!), standen wir anscheinend ein wenig verloren herum. Eine hübsche, junge Frau mit Notizblock sah die Chance des Tages! „Hätten Sie vielleicht kurz Zeit für eine kleine Umfrage?“ Auf die Frage, wie lange die denn dauern sollte waren sie und ihre Kollegin sich nicht ganz einig. Die Eine meinte circa 2 Minuten, die Andere schätzte ein etwa eine Viertelstunde. Jedenfalls war ich die Einzige, die bei dem lustigen Spielchen mitgemacht hat. Es ging um verschiedene Marken von Eau de toilette für Männer. Schon mal sehr spannend. Ich wurde durch eine geheime Tür in diesem riesigen Einkaufszentrum in einen kleinen, abgelegenen Raum geführt. Schon mal sehr verdächtig.  Aber die gute Frau tat schon ganz richtig daran, auf meine professionelle Meinung zu vertrauen, denn ich glaube, ich kann sehr gut einschätzen, ob „Axe“, „Adidas“ oder eher „Brut de Fabergé“ für sportliche, aktive Männer, die gern abends ausgehen geeignet ist. Leider haben „Ulric de Vanves“ und „Scorpio“ und noch ein anderes, dessen Namen mir entfallen ist, grottenschlecht in meiner Wertung abgeschnitten. Die Packung musste ich unglücklicherweise als unmodisch und geschmacklos verurteilen und habe zusätzlich vermutet, dass sie einen lang anhaltenden, penetranten Geruch verströmen würden. Schade, das wird wohl ein Flop. Natürlich konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob dieser Umfragenjob nicht sehr frustrierend ist. Wer trifft schon häufig auf ein beklopptes Au Pair, das wirklich bereit ist Zeit für dieses weltbewegende Thema zu verschwenden? Sie jedenfalls nicht so oft. In der Tat sei es ein Scheißjob, da nie jemand mitmachen will. Aber da ich so außergewöhnlich anders bin als der gestresste Durchschnittsfranzose, hat sie mich mit einem Kompliment belohnt: „Sie sprechen aber sehr gut französisch!“.

 

Der eigentliche Grund, weswegen ich heute unbedingt ins Les quatre temps musste, war aber der Valentinstag. Von den Geizigen als Kommerzialisiert verschrien, von den Werbetextern als einzig wahrer Liebesbeweis angepriesen, hat dieser besondere Tag auch seinen Zauber in der famille Mortemard de Boisse verströmt.

Am Freitag fragte mich Charles (ich erinnere kurz noch mal: er ist 12 Jahre alt), ob ich mit ihm nicht am Wochenende einkaufen fahren könne. Offensichtlich hat er nur gute Erinnerungen an den Tag, an dem ich mit ihm Weihnachtseinkäufe gemacht habe. „Äh ja, klar, von mir aus…“, meinte ich, fragte mich jedoch, wie ich zu dieser speziellen Ehre käme. Augenrollen und ein genervtes Stöhnen waren die Antwort. „In welchem Monat sind wir denn? Und welches wichtige Ereignis findet… so ungefähr nächsten Mittwoch statt?“, wurde mir mit einem strafenden Blick vorgeworfen. Ah! Valentinstag! Jetzt raff ich!

Bedauerlicherweise machte Muttern dem jungen Verliebten einen Strich durch die Rechnung. Nein, Charles darf nicht mit unserem Au Pair einkaufen gehen. Weil ich aber die Geste unheimlich rührend fand, heckte ich einen geheimen Plan mit ihm aus. Für ein paar Euro, die er mir gab, sollte ich das perfekte Valentinstagsgeschenk besorgen. Meine Ideen wie eine Paar fesche Ohrringe, Pralinen oder eine schnulzige Karte kamen nicht so gut bei monsieur an. Er wollte ein Kuscheltier. Oh Mann! Aber sein Wunsch sei mir Befehl und ich fand tatsächlich einen total plüschigen, kuschelweichzarten, sanften Teddybären (zu einem akzeptablen Preis!). Da ich das aber allein ein wenig pathétique fand, kaufte ich noch einen Lolly mit der Aufschrift „Bonne St. Valentin“. Ein offensichtliches „I Love You“ wäre wahrscheinlich nicht so gut. Meine Einkäufe platzierte ich auf seinem Tisch und die Reaktion war… „Wie toll! Danke, Shirin! C’est trop stylé!“ Auch wenn ich dieses Geschenk nicht total stylisch fand, war ich wenigstens seine engste Beraterin geworden. Natürlich musste auch ein Brief geschrieben werden. Welche Farbe soll das Diddl-Briefpapier haben? Rot, blau oder rosa? Ich sagte selbstverständlich rosa. Die Frage, warum er gerade solches Briefpapier besitzt, verkniff ich mir. Dann die Entscheidung mit der Briefmarke. Auf meine Meinung hörte er eher, als auf die seiner Schwester und nahm die rosa Briefmarke, auf der Diddl von Herzchen umringt ein plüschiges kleines Tier umarmt. Die andere, auf der Diddl und Diddlina abgebildet sind, wollte er nicht. Schließlich seien sie ja noch nicht verheiratet. Die Betonung liegt auf „noch nicht“. In Gedanken überlegte ich schon, wie ich herausfinden würde, was er seiner Angebeteten Juliette wohl in seinem Brief schreibt. Aber wie ich da an meinem Bügelbrett stand, rief Charles wieder nach mir. Ob der Text so gut wäre. Mir kamen fast die Tränen, als ich sah, was er verfasst hatte. Und zudem hatte er vorgeschrieben, um es dann, wenn es ordentlich ausformuliert wäre, sauber abzuschreiben. Ich schmelze immer noch dahin. (Als er gerade in der Küche war, habe ich das Vorgeschriebene aus seinem Mülleimer geklaut. Hier eine kleine traduction):

 

Juliette, nur ein Kuscheltier und eine Süßigkeit, um dir ein paar Worte zu sagen, die etwas sehr Präzises ausdrücken. Nur diese kleinen Geschenke, um dir zu sagen, dass ich an dich denke. Juliette, ich liebe dich. Fröhlichen Valentinstag!

 

Sagt, dass ihr auf vor Rührung heult! Wenn besagte Juliette ihm nicht augenblicklich um den Hals fällt und ihn bittet sie zu heiraten, kann ich mir das nicht erklären. Sie müsste schon extrem dumm sein. Falls es, was ich aber nicht glaube, aber wirklich nicht mit der Juliette klappen sollte, kenne ich da ein paar andere Au Pairs, die den Charlyboy glaub ich auf der Stelle heiraten würden.

13.2.07 21:26


Love is in the air

Dann werde ich mal versuchen, alles, was in den letzen drei Tagen passiert ist, in kompakter Form zu resümieren.

Sicherlich interessiert euch, was aus Charles und seiner Angebeteten am Valentinstag passiert ist. Folgendermaßen trug es sich zu: die drei Jungs aus seiner Klasse, die den Tag der Verliebten ernst genommen hatten, waren Charles, Jean-Baptiste und Matthias. Der J-B hatte einen Brief, der Matthias hatte ein Geschenk (übrigens für das gleiche Mädchen) und wer ist der selbsternannte Big Boss, der beides hatte (und natürlich für eine andere)? Charles! Der Antwortbrief von Juliette war offensichtlich in der kleinen Pause verfasst worden, aber die Aussage zählt: Charles, ich liebe dich! Ich schenke dir mein Herz!

Die ganze Geschichte hat mir Charles als Erste erzählt, mit einem Dauergrinsen, das nur verschwand um seine kleinen Geschwister anzuschreien „Geht raus! Ich muss etwas Wichtiges mit Shirin besprechen! Das geht nur Große was an!“ Später zeigte der den Brief auch seiner Mutter, die ihn an sein recht junges Alter erinnerte. „Sei unbesorgt, du wirst noch nicht bald Großmutter“, war die beruhigende Antwort. Schade, ein fünftes Kind zum Aufpassen fehlt mir hier eigentlich.

Da ich auch von diesem besonderen Feiertag profitieren wollte, stieg ich kurz vor acht in den Bus und machte mich auf den Weg zu meinem Valentinsdate nach Versailles. Bewaffnet mit einer Rose, einer Valentinskarte und natürlich was zum „Schnuckeln“, habe ich selbstverständlich das Herz von ALENA erobern können, die mich gleich mit zu sich nach Hause genommen hat. Mit Sekt stießen wir auf unsere junge Liebe an und fuhren mit dem Zug nach Paris. Zusammen mit Julia, Mailin, Kati und Katha wollten wir das „Queens“ unsicher machen. Da tut sich doch mal die Frage auf: Warum lässt man uns intelligente, gut aussehende und total humorvolle Partyköniginnen nicht rein? „Keine Mädchen“, sagte der Türsteher, der unter einem riesigen Schild mit der Aufschrift „Ladies’ night“ stand. Da wir den wahren Grund, nämlich Deutschfeindlichkeit sofort erkannten, informierten wir uns höflich, ob der arabische Securitymensch möglicherweise ein Rassist sein sollte. Wahrscheinlicher ist aber, dass wir zu arm aussehen und sie bei uns nicht den großen Reibach wittern. Womit sie vielleicht auch nicht ganz Unrecht hätten, denn immerhin sind wir arme Au Pairs, die – j’avoue – kein Geld für eine Rassistendisco ausgeben wollen.

Beim Frühstückstisch gestand ich dann, dass ich nicht in die boîte reingelassen wurde. Meine Familie lachte mich ein bisschen aus. Die Einzige, die mich zum Lachen brachte, war Aliénor. Für die Afrancophonen unter euch: boîte (de nuit) bedeutet Disco, boîte heißt aber auch Kiste. Die gute Aliénor jedenfalls fragte ganz unschuldig, ob ich in einem Karton wohnen würde.

Zur Zeit läuft es mit der Aliénor wirklich gut. Gestern war sie so brav, dass ich eine ganze Stunde mit ihr auf dem Spielplatz war. Ohne eine einzige Träne! Danach haben wir so schön zusammen Memory gespielt, sie hat mir heute ein Bild gemalt und sogar (fast) eine Blume geschenkt. Im letzten Moment wollte sie sie dann doch lieber ihrer Mutter geben. Aber das Beste ist heute Morgen im Kindergarten passiert. Denn sie hat geweint! Yuhu! Denn nicht etwa, weil ich das falsche doudou eingepackt habe oder ihr den Mantel abnehmen wollte, … NEIN! Weil ich gehen musste und sie wollte, dass ich bleibe! Kurz vor den Ferien läuft immer alles so gut! Die Kinder haben auf ein Blatt geschrieben „We will miss u, Shirin!“ und unterschrieben. Ich war so gerührt! Das Wetter ist schön, wir waren draußen, die Vögel zwitscherten! Und dann dieser spezielle Liebesbeweis von sieben französischen Mädels, die sich im Park auf mich stürzen und mich, die „Mörderin“ ins Gefängnis stecken wollten. Alle standen um mich herum, zerrten an mir, schrien, lachten und hatten ihren Spaß. Falls ihr zweifelt und denkt, es könnte auch böse gemeint sein, denkt ihr das gleiche wie ich. Aber meine Gastmutter meinte, dass es ja unglaublich ist, wie sehr mich die Kinder hier lieben.

16.2.07 19:15


Und ich bin wieder allein, allein

Absteigende Besucherzahlen, mangelnder Informationsservice, … was ist nur aus meinem Blog geworden? Eine ganze Woche war hier sozusagen les pantalons morts, tote Hose praktisch.

Nach einer anstrengenden quasi schlaflosen Woche bin ich Freitagabend in Richtung Versailles gependelt, wo ich mich bei der liebenswerten Katha-Schnatta einquartieren durfte. Auch in dieser Nacht fanden wir nur wenige ruhige Minuten, denn bereits morgens um 5 begann der lange Weg in unsere geliebte Heimat! Falls ihr mich in Deutschland nicht angetroffen haben solltet, weint bitte nicht. Insgesamt war ich auch nur fünf Tage da und habe die meiste Zeit auch geschlafen. Drei Stundenmittagsschlaf – trotz durchgeschlafener Nacht – waren nix! Ansonsten habe ich auch alles getan um noch fetter zu werden. Ein drei Gänge Menü von Torben, feine Backwaren von unserer Traditionsbäckerei Pöthig zum Kaffee bei Kolles, Bratkartoffeln von Mama, ein Glas Weinchen bei Oma und ein Döner in der Stadt… so lautet eine kleine Auswahl meiner Friss-das-Doppelte-Diät. Die sehr gut funktioniert.

Am Mittwoch fiel der Abschied gar nicht so schwer, denn ich war in guter Begleitung! Katharina war verrückt genug, um sich mich als ihre Stadtführerin auszusuchen! Und in der Tat habe ich in den beiden Tagen das gesamte Programm abgezogen. Unter dem riesigen Bogen in La Défense haben wir nicht nur die Aussicht genossen, sondern uns auch gebührend verewigt („Katharina und Shirin sind cool!&ldquo. Der nächste Halt war der Triumphbogen, wir schlenderten die Champs-Elysées runter, über die Pont Alexandre III., weiter zum Invalidendom. Dort vermutete ich an jeder Ecke einen Abzockerfranzosen, der uns Eintritt abknöpfen wollte, aber wir konnten ohne zu zahlen bis in eine Kirche kommen, in der gerade eine militärische Zeremonie stattfand. Dann wurden wir aber raus geschmissen L. Auch die Notre Dame durfte sich über einen Besuch unsererseits freuen. Die berühmte rue Mouffetard, die Sorbonne, das Panthéon, die Kirche St. Geneviève,… alles sahen wir uns an. Aber auch ein kleiner Streifzug durch Les Halles war bei schlechtem Wetter ganz nett. Nach acht Stunden power walking konnten wir uns nur noch auf den Beinen halten, um uns einen Berg Crèpes zu machen.

Auch der Freitag war nicht weniger chillig. Die erste Station hieß Montmartre. Wie fuhren mit dem Bus zum Sacré-Coeur hinauf und freuten uns, dass uns Paris zu Füßen lag. Ich habe noch gar nicht erwähnt, dass Katharina sich für Paris vorgenommen hatte „sich richtig ungesund zu ernähren“, wo ich natürlich sofort mitmachen musste. Und so feierten wir eine Fiesta Italia mit leckeren Chips, die selbst den Tauben schmeckten. Wer in Paris ist, darf die Sicht auf den Eiffelturm vom Trocadéro nicht verpassen. Auch besuchten wir Lady Dis Todesstätte, wo wir nach Katharinas Aussage „sehr traurig waren, aber es uns nicht anmerken ließen“. Auf dem Weg ins Judenviertel, wo wir uns Falafeln gönnten, kamen wir am Pariser Rathaus vorbei. Vor Victor Hugos Haus auf dem Place des Vosges mussten wir uns erstmal ausruhen, bevor es weiter zu den Galeries Lafayette ging. Der krönende Abschluss war ein Spaziergang durch die Tuileries und der Besuch bei der Mona Lisa im Louvre.

Falls jemand von euch denkt, dass ich eine ganz miese Touristentreiberin bin (und selbst wenn Katharina es behauptet sollte: ihr wisst ja, dass es nicht stimmt), lasst euch gesagt sein, dass wir viel spaß hatten. Im Prinzip hatten wir auch ein Zweitagesfotoshooting, dessen Motto lautete „Hauptsache schön!“. Da es zu unseren Werken leider nicht ganz passt, werdet ihr nie sehen, wie wir auf einem Kanonenrohr vor dem Invalidendom reiten, vor dem Eiffelturm posieren, Tauben jagen oder in den Tuileries ganz lässig auf einem Stuhl sitzen. Noch etwas solltet ihr tun: Fragt Katharina, was das Tollste war, das sie in Paris gesehen hat. Vielleicht antwortet sie: Einen Mann in pinker Cordhose.

24.2.07 14:56


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