le fabuleux destin de shirin



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Eine Verrückte mehr auf dieser Welt

Wie zu erwarten habe ich meine Asiphase doch nicht überwunden. Heute Morgen habe ich mich mit den Kindern ins Ehebett der Eltern (!) gefläzt und wir haben „Babe – un cochon en ville“ geguckt, während die Oma unbedingt bügeln wollte. Ich wusste gar nicht mehr, dass der zweite Teil von Babe so grottenschlecht ist. Da springt Mrs. Hogget, die an einem Seil von der Decke hängt wie ein Gummiball durch eine piekfeine Gesellschaft. Dem Film fehlt es schon mal nicht an Glaubwürdigkeit, eher an Spezialeffekten und Kampfszenen. Naja.

Vor dem Essen wurden wir allerdings an die frische Luft befördert, ich hatte in weiser Voraussicht mein Buch mitgenommen und war so nicht gezwungen in Inlinern einen Todesabhang runterzudüsen.

Die undankbaren Zwillinge durften mit ihrem Opa ins Schloss von Versailles fahren (was ich liebend gern gemacht hätte!), die Oma verlies das Haus, alsbald die Kleine im Bette war. Ruhe. Beklemmende Stille. Ich hatte ca. eine Stunde nur für mich. Welch Traum.

Aber mit der Mutter kam auch der Stress wieder ins traute Heim. Wieder frische Luft, diesmal Skateboard mit Aliénor fahren. Da wir das aber anders als gewöhnlich handhaben, haben wir uns einfach auf das Board draufgesetzt und sind den Abhang runtergerollt. Ihr seht, mir fehlt es an Praxis, weswegen ihr mich (noch!) nicht Shirin Hawk nennen könnt. Aliénor hat mir heute das erste Mal Mädchenlästergeschichten erzählt. Ihre „Freundin“, die Chloe, will sie nicht zu ihrem Geburtstag einladen. Weil sie keinen Vanillekuchen mag, den es dann im Juni geben wird. Ich vermute aber eher, dass die Einladung ausbleiben wird, weil Chloe die gute Aliénor nicht einladen wollte. Sie will ja auch gar nicht hin, schließlich gibt es Schokoladenkuchen. Und den mag sie nicht.

Wo wird schon beim Essen sind. Aliénor hat mir auf dem Spielplatz einen Sandkuchen zubereitet, den ich aber abgelehnt habe, um zu sehen, wie sie reagiert, wenn jemand nicht essen will. Praktisch ein Rollentauschspiel. „Doch, du isst das! Du liebst es! Wenn du bei drei keinen Hunger hast, gebe ich dir einen Klaps auf den Hintern! Los, probier! Das schmeckt lecker!“

Leider muss ich abschließend bekannt geben, dass ich verrückt geworden bin. Oder noch verrückter. Denn ich hab tatsächlich zugesagt, dass Blanche heute in meinem Zimmer übernachten darf. Natürlich nur, solange Aliénor nicht weint. Da ich dachte, dass das ein unüberwindbares Hindernis ist, wog ich mich in Sicherheit. Aber Gonzague, den ich heute mal wieder am liebsten erschlagen hätte, war bereit im Mädchenzimmer zu schlafen. Tja, deswegen werde ich wohl in 45 Minuten in die Heia gehen und drei Stunden wach liegen, bevor ich einschlafe. Die Suppe, die ich mir da eingebrockt habe, muss ich jetzt wohl erstmal auslöffeln.

1.3.07 20:17


Der Sprung ins kalte Wasser

ENDLICH sind die Kackferien vorbei und ich bin heilfroh, dass keines der Kinder überfahren, von seinen Geschwistern verprügelt oder entführt wurde. Gestern Abend habe ich die kleine Pyjama Party in meiner Zweiquadratmeterbutze doch noch abwenden können. Glücklicherweise war die Mutter die Böse, die sich eine Minute, bevor sie das Haus verließ, doch noch um entschied. Shirin ist schon groß, sie will nicht um neun ins Bett, stellte sie ganz richtig fest und somit war der Traum von kuscheligen Stunden mit Lästern über Jungs für Blanche erstmal aus.

Aber das Leben geht weiter und heute wartete ein besonderes Schmankerl auf die Kinder: ich hatte mich tatsächlich breitschlagen gelassen, mit ihnen ins Schwimmbad zu gehen. Was für eine wahnwitzige Idee! Bis mittags konnte ich die Kinder damit hervorragend erpressen und sobald die Kleine ihren Mittagsschlaf begonnen hatte, stiefelten wir los.

Mein Gesichtsausdruck muss wohl eine weniger euphorisierende Wirkung gehabt haben. „Hast du keine Lust?“, frage Blanche. „Nicht wirklich“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Das ist, weil du deinen Badeanzug nicht anziehen willst“; vermutete Gonzague und in Gedanken brach ich fast in Tränen aus. „Nein, weil sie ihre Badekappe nicht mag“, wusste Blanche besser. Und diese Erklärung gilt weiterhin als offiziell. Ja, ihr habt richtig gehört. Nicht nur, dass ich mir die Blöße geben musste und neben zwei Zahnstochern ins Schwimmbad ging, nein, das Gesamtbild wurde durch ein silberfarbenes Kunststofftütchen auf meinem Kopf sauber abgerundet. Eher noch als wie Gollum auszusehen, versteckte ich meine Ohren unter der Kappe und blieb praktisch für die nächsten 2 Stunden taub. Wer schön sein will, muss leiden.

Selbstverständlich beschwerten sich bereits nach 3 Sekunden die ersten Schwimmenden. Eine alte Dame, die wohl einfach nur gemütlich ein paar Bähnchen schwimmen wollte, machte mich darauf aufmerksam, dass in dieser Bahn hier nur geschwommen und nicht getobt wird. Der Witz war eigentlich, dass außer uns zunächst nur drei weitere Gäste anwesend waren. Sobald ich mich an die genervten Blicke der Bademeister, der unter dem hoheitsvollen Schild „maître nageur“ saß, gewöhnt hatte, vergaß ich meine Aufsichtspflicht und schwamm in Gedanken versunken vor mich hin. Als ich keine Lust mehr hatte, chillte ich am Beckenrad und las den Stern, den ich mir – wie immer in weiser Voraussicht – mitgebracht hatte. Der maître nageur, der mich schon vorher genervt hatte, weil er tatsächlich ganz wichtigtuerisch Wasserproben aus dem Becken nahm, kam plötzlich auf mich zu. Dem Kleinen sei kalt, der zittere und friere. Er habe alle Symptome einer Keineahnungwas. Ja, meinte ich, aber sie wollen nicht aus dem Wasser raus. Womit ich Recht hatte. Denn wir hatten schon lange Verhandlungen über den Zeitpunkt der Heimreise geführt. Jedenfalls ging ich noch mal zu den Kindern und sagte, dass der Meister der Schwimmer der Meinung ist, dass sich ein weiterer Aufenthalt im kalten Nass für kleine, dünne Stöckchen wie Gonzo negativ auf sein Gesundheitsbild auswirken kann. Und somit traten wir den Heimweg an, im Regen versteht sich. Welches Wetter sollte sonst vorherrschen, wenn wir uns grad die Haare gewaschen und gefönt haben?

2.3.07 20:24


Zu Gast beim König und bei Quasimodo

Wenn ein pollexsches Kind in den Urlaub fährt, so wie der Leif und die Shirin das manchmal tun, gibt es ein Motto in unserer Familie: Wenn es sich nicht meldet, geht es ihm gut.

Deswegen kann ich euch beruhigen. Meine lange Abwesenheit hat nichts mit einer Entführung, Geiselnahme oder einem Autounfall zu tun. Mit geht es prächtig.

Nachdem ich den Freitagabend zu Hause verbracht habe, war ich heilfroh, dass ich meine Au Pair Mädels wenigstens am Samstagmorgen zum Shoppen sehen konnte. Jedenfalls dachte ich das, als ich mich auf den Weg nach La Défense machte, um sie zu treffen. Leider traf ich sie nicht an.

Hm, was nun? Klar gibt es heutzutage praktische Handies, die dem modernen Menschen eine uneingeschränkte Erreichbarkeit garantieren sollen. Es sei denn, man ist ein armer Schlucker und hat kein Guthaben auf dem Handy, was bei uns allen zur Zeit der Fall ist. Ich zog schon mal alleine los, kaufte ein bisschen ein, teils aus Frust, teils aus dem trügerischen Gefühl der Sicherheit. Es ist ja noch so früh im Monat, da kann man sich ja schon mal was leisten.

Gegen zwei traf ich wieder zu Hause ein, checkte meine deutsche Nummer (deren Karte ich vorher natürlich zu Hause gelassen hatte). „Wir treffen uns um zwei an La Défense“ schrieb mir die gute Alena und ich dachte, dass ich noch nie so dicht dran war, mir in den Arsch zu beißen. Ein kurzer Rückruf von meiner deutschen Nummer reichte, um auch mein deutsches Guthaben auf dem Fenster zu schmeißen. Aber wenigstens wusste ich für acht Euro pro Minute, dass wir uns dann später um fünf treffen würden.

Mit Mailin, Alena, Katha und Kathie gings dann zum berühmten Schuhmarkt, wobei wir aber in einem nahe gelegenen Supermarkt die wirklich wichtigen Dinge des Lebens kauften. Von Pilzen, Mais, Gurke, Tomate, Paprika… war alles für einen perfekten, höchst gesunden Salat vorhanden, den wir bei Kathie genüsslich verspeisten. An baguette und vinum fehlte es natürlich auch nicht, wie sich das für Franzosen so gehört. Auf unsere tiefgründigen Gespräche über die Mängel des deutschen Bildungssystems folgte die abschließende Krönung des Abends: die Desperate Housewives überzeugten mit pädagogisch wertvollen Erziehungstipps („Wenn ihr nicht brav seid, ruf ich den Weihnachtsmann an und sage, dass ihr eine Rute zu Weihnachten wollt.&ldquo Werde ich bei der nächsten Gelegenheit mal anwenden.

Ganz allein musste ich durch Nacht und Nebel vom Bahnhof zu mir nach Hause stapfen. Ich sag es ja immer wieder, aber die Musik ist ein guter Manipulator. Wenn früher „Ein Hut, ein Stock, ein himmelblauer Unterrock“ ein zackiges Tempo sicherstellten, wurde das bei mir durch einschlägige Technobeats aus dem MP3-Player abgelöst. An dieser Stelle möchte ich auch mal erwähnen, dass mein werter Vater mich an diese Drogenmusik geführt hat. Bereits im Alter von sieben Jahren bin ich in unserem Wohnzimmer zu Liedern, die „Ecstasy“ hießen, total abgegangen. Ein kleiner Exkurs.

Heute Morgen stand ein kulturell höchst ansprechender Punkt in meiner Agenda: das legendäre Schloss von Versailles. Da die tollen Fräuleins alle praktisch Nachbarinnen von Louis XIV. sind und das Schloss ja schon in- und auswendig kennen, blieb mir nix anderes über, als allein hinzupilgern. Nur Mailin hatte sich bereiterklärt mich zu begleiten, was nicht funktionierte. Wenn ich kein Guthaben auf dem Handy hab, kann man mich nicht anrufen. Die alte Handyleier.

Ohne auch nur einen Cent da zu lassen, habe ich die königliche Privatkapelle, die Oper, Ballsäle, die Schlafgemächer der Könige und viel Prunk und Kitsch gesehen. Seltsamerweise wurde im Spiegelsaal nicht deutlich, dass die Deutschen mal hier gewesen waren. Bizarre…

Die kostenlose Führung durch Marie Antoinettes Gemächer nahm ich spontan auch noch mit. Nix verkommen lassen! Ich kann nun von mir behaupten, dass ich ihre parfümierten Handschuhe, ihr Zimmer zum Ausruhen nach dem Bad und ihr tonnenschweres Survival Kit, welches sie auf Reisen mitnahm, gesehen hab. Sie hat trotz allen wichtigen Utensilien wie Schokoladenkarräffchen, silbernen Löffeln und einem Bettwärmer ihre Flucht nicht überlebt.

Um den Tag auch vollends zu nutzen ging es anschließend zur Notre Dame de Paris, wo ich Mailin, Annett und Alena traf. Nach einer Stunde Wartezeit in der Schlange waren wir schon ziemlich geschafft. Nicht zuletzt, weil der „Drängler“ uns keine Sekunde Ruhe ließ. Ständig drängte er uns noch weiter aufzurücken und gab uns nur zögernd eine Infobroschüre über die Kirche die wir „irgendwann bald“ besteigen sollten. Und ja! Nach nicht enden wollenden Wendeltreppen genossen wir eine wunderbare Aussicht über Paris. Ein Paar Fotos mit den Gargols, die ich lieber Gollums nenne, ließen wir uns natürlich auch nicht nehmen. Zusätzlich konnten wir die große Glocke bestaunen, auf ich fast gesprungen wäre, um ein kleines Glockenspiel erklingen zu lassen. Aber der Aufpasser, den wir selbstverständlich Quasimodo  nannten, hielt mich mit einem bösen Blick davon ab.

Seltsamerweise waren wir nach den 375 Stufen abwärts (wir haben mitgezählt) ziemlich fertig. Noch im RER nach Hause zitterten unsere kleinen, überanstrengten Waden.

4.3.07 19:59


La rentrée - back to school

Genau um 7.30h begann für Shirin, dem charmanten Au Pair der Famille Mortemard de Boisse endlich wieder ein geregelter Tagesablauf! Ihr seht, ich bin optimistisch und voller Elan aus dem Bett gesprungen, habe das Fenster aufgerissen, um die frische Vorstadtluft zu schnuppern und mich auf in die Küche zu meinen reizenden Kinderchen gemacht.

 

Meine ungebremste Fröhlichkeit wurde natürlich durch eine Geschichte von Charles weiter gefördert. Anscheinend hatte er in der Woche, in der er jetzt weg war, nicht so einen Riesenspaß. Sein „Freund“, der André, hat auf der ganzen Reise nur Gameboy gespielt, während er sich langweilen musste. Nur einmal erhaschte er kurz seine Aufmerksamkeit, als er bei der Kissenschlacht mit dem – ich zitiere – „doppelt so groß und doppelt so schweren“ Kerl verprügelt wurde.

 

Nach der Sprachschule habe ich Aliénor abgeholt, die mir um den Hals gefallen ist und mir gleich das Highlight ihres ersten Schultages erzählen musste: „Auf dem Pausenhof hab ich geweint, weil ich wollte zu dir!“ Ist das nicht die Krone auf der Niedlichkeit?

 

Ansonsten ist auch hier mal wieder das triste Alltagsgrau eingekehrt. Blanche zum Schwimmen bringen war wie immer angesagt. Auf diesem fünf Minuten langen Fußmarsch ist mir mal wieder die französische Arroganz und Ausländerfeindlichkeit ins Auge gesprungen. Zuerst meinte Blanchiblanche: „Wie hässlich die Leute heutzutage sind. Alle außer uns sind hässlich.“ Gemeint waren zwei ältere Damen, die sich total retro (also wie in den sechzigern, als sie anscheinend noch jung waren) angezogen hatten und in Ruhe promenierten. Unkommentiert ließ ich diese Bemerkung mal im Raum bzw. unter freiem Himmel stehen, musste aber doch wenigstens bei der nächsten „Schwarze Babies sind auch hässlich“ anmerken, dass man so was nicht sagt. Da fiel mir nur der Witz ein, den Charles gestern erzählt hat:

 

 

Ein Araber, ein Belgier und ein Franzose sitzen im Flugzeug. Plötzlich kommt eine Durchsage vom Piloten „Wir stürzen ab! Wir müssen Ballast abwerfen!“

 

Araber: Ich werfe meinen ganzen Couscous raus. Davon hab ich genug in meinem Land.

 

Belgier: Ich werfe mein ganzes Bier raus. Davon hab ich genug in meinem Land.

 

Franzose nimmt den Araber: Ich schmeiß ihn hier raus. Davon hab ich genug in meinem Land.

 

 

Aber eigentlich war ich bei Blanche. Die hat nämlich fast dafür gesorgt, dass wir verkloppt wurden. Wir kamen an einer Gruppe… ich sag mal, Halbstarker vorbei und sie singt fröhlich „voyou, voyou, des vouyous dans la rue“, was so viel heißt wie „Rüpel oder Gangster, Rüpel auf der Straße“. Hilfe! Schnell weg! Ich hatte eigentlich nicht vor, mich hier mit Gangsta Banden anzulegen…

 

5.3.07 20:53


Die Welt ist schlecht, ungerecht, hinterhältig und gemein...

Dass ich mich gestern nicht gemeldet habe, hat natürlich eine plausible Erklärung.

Die gute Ulli, ein Au Pair aus meinem Sprachkurs, feierte ihren 20. Geburtstag und ich war – wie auch nicht? – eingeladen. Zunächst möchte ich kurz anmerken, dass sie sich extrem alt fühlt, worüber ich nur herzhaft lachen kann. Schließlich werde ICH ja dieses Jahr bereits 21!!!

Hilfe! Wie alt bin ich denn bitte mit einem Mal? Das ist ja schrecklich! Selbst in den Staaten werde ich bald volljährig sein! Aber was viel schlimmer ist: Ist es schädlich für die Haut, wenn ich Cremes gegen Pickel und gegen Falten gleichzeitig auftrage? Denn leider löst bei mir nicht ein Problem das andere ab. Bestimmt kommen meine Pickel durch die Falten noch besser zur Geltung…

Naja, jedenfalls war ich zum Geburtstag eingeladen. Das Geburtstagskind hatte eine typisch französische raclette vorbereitet, bei der nicht nur ich richtig zugeschlagen hab.

Mir ist übrigens aufgefallen, dass ungerecht viele Au Pairs in Palästen wohnen oder Gasteltern haben, die den Brillenzweig bei Chanel leiten. Welche, die Designerklamotten zu Weihnachten geschenkt bekommen oder im Haus des Direktors einer bedeutenden französischen Bank leben. Ulli jedenfalls wohnt in einem Altbauhaus mit einem Salon, den wir für unser kleines dîner benutzen durften. Wo ist eigentlich mein Glamouranteil am Au Pair Jahr?

Beim Mittag hat Aliénor zu mir gesagt, dass sie mich nicht mag. Alles nur, weil ich zu beanstanden hatte, dass sie nicht mit ihrem croque monsieur in der Luft rumwedeln soll.

Gerade bei Abendbrot hat Blanche zu Gonzague gesagt: „Nicht wahr, Shirin ist doch nicht dick, oder?“ und die Antwort war natürlich: „Ein bisschen.“

Ihr seht, es gibt viele Gründe, die mir das Leben unnötig schwer machen. Aber ich weigere mich diesen Tag so kacke zu finden, wie er eigentlich ist. Man sollte lieber das Positive betrachten.

Zum Beispiel hat Aliénor gestern zu mir gesagt, als sie mich in meinem outfit erblickt hat: „Oh, was bist du schön!“ Mit ihr habe ich heute Morgen auch eine kleine Fotosession geschossen, bei der wir beide Kindersonnenbrillen aufhatten. Was mir natürlich besser stand. Nachmittags hat sie dann doch wieder „Je t’aime“ gesagt und mein Herz damit wieder froh gemacht. Blanche hat mir ein Türschild gebastelt und jetzt kann jeder, der kein farbenblinder Analphabet ist ein buntes Schild mit meinem Namen an meiner Tür erkennen.

Und die Sonne scheint wieder.

7.3.07 20:37


Hund, Katze, Maus, Au Pair

Die banalsten Streitereien sind hier oft die schlimmsten.

 

Heute ging es um einen Keks. Nicht um den letzten Keks, den man in dieser Wohnung hätte finden können. Nein, das Problem an diesem Keks war, dass er Aliénor gehörte und Gonzague ihn geklaut hat. Unglaublich wie bescheuert das alles war, aber ich habe ihn tatsächlich packen und aus der Küche aussperren müssen, weil er sich so unsagbar kacke aufgeführt hat. Da die Küchentür, gegen die ich mich lässig gelehnt hatte (wie gesagt, er ist ein Fliegengewicht) ebenso wie ich aus einem guten Holz geschnitzt ist, konnte er so doll er wollte gegen sie treten. Am Ende hat er geheult. „Sie ist drei, du bist neun, Junge! Steh drüber, verhalte dich deinem Alter entsprechend“, so was in etwa wollte ich klarmachen. Hau ab hat er zu mir gesagt und wollte mich mit der Faust schlagen. Aber an seiner Boxtechnik muss er wohl noch etwas üben.

 

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich mal wieder auf hundertachtzig war. Glücklicherweise waren die anderen 3 auf meiner Seite, was Gonzos Laune nicht gerade gebessert hat. Auch auf Blanches ewige Fragerei, ob ich Gonzo mögen würde, hätte ich in der Situation verzichten können. Natürlich kann ich ihr nicht wirklich wahrheitsgemäß „Dein Bruder ist eine verzogene, kleine Kröte, die ich am liebsten in ihrem dreckigen Tümpel ertränken möchte“ antworten, sondern drückte mich mit einem euphemistischen „Dein Bruder macht es mir sehr schwer ihn zu mögen“ aus. Charles meinte, dass es ein Wunder wäre, dass ich überhaupt noch hier wäre. Das Wunder ist eigentlich, dass diese undankbaren Kinder ein so gutes Au Pair wie mich abbekommen haben!

 

Glasklar ist jedenfalls, dass sich der gute Gonzague nur an Kleineren vergreifen kann, um sein angeknackstes Ego aufzupolieren. Aber auch Aliénor ist die personifizierte Provokation und erfindet immer wieder neue lustige Lieder wie „Ich habe noch Kekse und du-huuuu ni-hiiiiich…“. Eine andere ihrer Eigenschaften macht das das Chaos-Duo perfekt: selbst, wenn ihr großer Bruder sie tritt oder haut, ist sie nicht von ihm wegzukriegen! Sie will sich immer noch wehren und rächen, steckt aber immer noch mehr Prügel ein. Kein Wunder, dass man erstmal sie retten muss und immer auf Gonzo sauer ist.

 

Sie sind Hund und Katz, wie die Mutter, bei der ich natürlich petzen war, ganz richtig anmerkte. Allerdings ist sie mir auch keine große Hilfe, da sie von sich behauptet selber keine Autorität zu haben. Ja, vielen Dank auch! Also ICH kann ihnen ja noch nicht mal Fernsehgucken oder irgendwas anderes verbieten.

 

Jetzt werde ich meinen genialen Erziehungsratgeber konsultieren und feststellen, dass er zu wenig positive Aufmerksamkeit kriegt oder irgendwie so. Und mich anschließend weigern irgendetwas daran zu ändern und jemals wieder nett zu ihm zu sein. Oder aber mit gutem Beispiel vorangehen und mich nicht provozieren lassen. Schließlich ist er neun, ich bin zwanzig! Ich glaub ich steh drüber und verhalte mich meinem Alter entsprechend.

 

8.3.07 22:09


Das ewige Dilemma

Manchmal kommt man im Leben an gewisse Punkte, an denen man merkt, dass sich etwas ändern muss. Schlagartig. Dass es so nicht weiter geht.

Einen solchen Punkt erreiche ich täglich, immer so gegen Abend. Dann, wenn ich vor meinem Laptop sitze, in meinen gut besuchten Blog schreibe, schweift mein Blick gelegentlich nach rechts und links auf den Tisch ab. Und erblickt neben bols, leeren Joghurtbechern und Löffeln, natürlich auch dreckige Ikea-Plastikteller und Überreste eines ausgiebigen Mahles.

So geht es nicht weiter! Morgen isst du weniger!, höre ich mein schlechtes Gewissen zu mir sprechen, welches sich immer meldet, sobald eine weiter Köstlichkeit in meinem Mund verschwunden ist.

Natürlich ist es nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich am liebsten eine winzige Modifikation an meinen Fettreserven vornehmen möchte. Aber die traurige Seite der ganzen histoire ist, dass es dieses Mal wirklich ernst ist. Die Verlockung des Essens ist einfach zu groß und noch nie war sportliche Betätigung so einfach zu vernachlässigen. Ich habe noch nicht mal ein Fahrrad zur Verfügung!

Gestern Abend jedenfalls bin ich nach Versailles gefahren, um mich mit Mailin, Katha, Alena und Kathie zu treffen. Zu meinem endlosen Leidwesen hatte Mailin „La Station Pizza“ zum dîner gewählt. Eine Bitte von Mailin kann man nicht abschlagen, schließlich fährt sie schon in wenigen Wochen zurück nach Deutschland. L Eigentlich handelt es sich um einen Bringservice, aber wir nahmen an dem einzigen Tisch in dem kleinen Raum Platz und ließen uns alles dorthin bringen. Zwei Pizzen, ein riesiger Berg Country Potatoes, Hähnchenkeulen, Barbecuesauce und zur Krönung ein Brownie… Keine von uns wundert sich, dass wir fett werden, aber wir beschweren uns trotzdem.

Ein schrecklicher Teufelskreis aus dem man hier nicht rauskommt. Entweder isst man, weil der Tag kacke war, zum Trost. Wenn mal alles gut geklappt hat, kann man sich auch mal mit etwas Leckerem belohnen. In der Gruppe kann man sich eh nicht zurückhalten. Und wenn man alleine ist, kann man ja so viel essen wie man möchte, es kontrolliert ja keiner.

Ich habe den Kindern das Recht übertragen, mir Kekse und Schokolade aus der Hand zu reißen und sich so schnell es geht in den Mund zu stopfen. Leider bin ich, wenn man mir mein Essen stehlen will, sehr flink und schickt bei der Flucht. Deswegen wird diese Maßnahme schon mal nicht fruchten.

Auch auf die Mutter, die ja die Einkäufe macht, kann ich wohl nicht zählen. Ich habe sie gebeten, mehr Obst und Gemüse zu kaufen. Aber ich weiß, dass sie meine härteste Konkurrentin ist und mir alles Gesunde wegessen will. Denn auch sie jammert über überflüssige Kilos, die ich keineswegs sehe.

Im Grunde genommen ist ja auch die französische Republik an meinem Dilemma schuld. Denn wie gesagt, in Deutschland hat es nie solche Ausnahme genommen und auch Spanien hat mich nicht fett gemacht.

Wenn ich nur das Geheimnis der französischen Küche kennen würde! Oder besser gesagt, das Geheimnis, sie nicht anrühren zu müssen. Denn würden die ganzen dünnen Frauen sie degüstieren, wären sie ja so fett wie ich. Wie machen sie das? Kann man im Leben eines Menschen den Nahrungstrieb mit beruflicher Tätigkeit unterdrücken? Denkt ihr, dass ich an Fettleibigkeit sterben muss?

Wer Antworten auf meine Fragen hat, mir Schlankheitspillen schicken möchte oder einfach denkt, er würde mich verstehen, der darf sich gerne bei einer sehr frustrierten Shirin melden.

Aber eigentlich ist das alles ja auch gar nicht so wild. Schließlich fange ich ja morgen mit meiner Diät an. Und dann wird alles besser.

10.3.07 22:57


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