le fabuleux destin de shirin



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Der Sturm auf das Stadion

Sprach ich noch letztens von den letzten Tagen vor dem Krieg? Ich glaube, dass er gestern begann. Nicht mit dem Sturm auf die Bastille, aber mit dem Sturm auf das Stadion. Aber ich beginne von vorn…
Um auch alle drei wichtigen Kandidaten mal live miterlebt zu haben, entschlossen Alena, ich und dieses Mal auch Katha, die gute alte Ségo zu besuchen. Gestern am 1. Mai, Tag der Arbeit – wie passend für die Sozialisten – sollte sie ein „meeting“ im Stade Charléty halten, zu dem natürlich alle herzlich eingeladen waren.
Eigentlich hätten wir es besser wissen müssen, aber wir kamen eineinhalb Stunden vorher, was natürlich viel zu spät war. Schon der RER war überfüllt, vom Bahnsteig floss der Menschenstrom auch nur gemächlich Richtung Stadion.
Da standen wir also und waren nur drei von 20.000 Menschen, die naiverweise dachten, dass noch ein Plätzchen für sie frei wäre. Pustekuchen, die Tore waren geschlossen.
Wir zogen alle Register, aber selbst Kathas Geflirte mit dem Security brachte uns nicht hinein. Dann aber die rettende Idee: im „Windschatten“ eines Polizisten kamen wir ein gutes Stück voran. Aber nicht weit genug, wir dachten schon ans Aufgeben.
Doch dann, ich drück es mal mit Ségos Worten aus, wendete sich das Blatt. Die Menschen, sportliche wie auch weniger sportliche, sahen in den zwei Meter hohen Stahlgittern kein unüberwindbares Hindernis mehr. Die Ersten kletterten einfach hinüber, gefolgt von einer Menge, die ebenfalls ihre Gesundheit aufs Spiel setzte, nur um Ségo zu sehen. Immer mehr Leute waren „drüben“ und riefen den anderen zu „Kommt rüber! Wir sind zahlreich! Man kann uns nicht anhaben!“
Wir drei kleine Au Pairs waren einfach nur geschockt. Dieses Verhalten war einfach so schrecklich, so entfesselt, man dachte, es gibt nichts auf dieser Welt, was diese militanten Anhänger stoppen kann.
Besonders die hohe Schwarzenquote gibt einem zu denken.
Setzen sie wirklich ihre ganze Hoffnung auf Sego? Geht es ihnen wirklich so schlecht, dass sie bereit sind ihr Leben zu riskieren? Kann sie wirklich alles besser machen? Kann ein Politiker so viel bewirken?
Wie auch immer. Von Deutschland wie auch von Frankreich dachte ich immer, dass es ein zivilisiertes Land ist, indem – falls wirklich mal was passiert – dein Freund und Helfer eingreift und dir mutig zur Seite steht. Die 4 Polizisten, die aber vor dem Stadion patrouillierten, rührten keine Handschelle.
„Wahlkampf ist Ausnahmezustand. Zu viert können wir eh nichts bewirken. Die Leute sind selber Schuld, wenn sie sich in eine so gefährliche Situation bringen…“, sagte der freundliche Beamte in blau. Also auf Sonntag kann man wirklich nur gespannt sein.
Nach zwanzig Minuten Kletterpartie öffneten sich die Tore und auch wir trauten uns ins Stadion, in dem ca. 40.000 Menschen versammelt waren (nach Alenas Angaben auch „40 Millionen Besucher&ldquo. Wieder sangen verschiedene Künstler Lobeshymnen auf Ségo, die Leute verteilten Flyer und riefen ohne Unterbrechung „Ségolène, Présidente!“…
Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon fix und alle und setzten uns an den Rand. Doch die nächste Adrenalinausschüttung ließ nicht auf sich warten. Hinter einer Absperrung direkt neben uns, tauchte ein Haufen Journalisten im Blitzlichtgewitter auf. Ohne Nachzudenken hängten wir uns über das Gitter um … ja, wem eigentlich?... die Hand zu schütteln. Ah! Francois Hollande, Ségos Lebensgefährten. Ja, er wollte meine Hand gar nicht mehr loslassen! Oder war ich es etwa?
Ja! Ich muss es gewesen sein, denn verzweifelt klammerte ich mich an ihn, in der Hoffnung, dass er mich aus einem Haufen Irrer rausziehen würde. Hinter mir befanden sich gefühlte Hundert Leute, die auch mal anfassen wollten und uns arme Mäuschen fast zerquetschten. Ein paar Tränen flossen aus meinen Äuglein, während mein Leben an mir vorbeizog. Aber ich überlebte.
Umringt von schier unendlich vielen schwarzen, singenden und tanzenden Menschen lauschten wir endlich irgendwann der Stimme von Ségo. Sie zu sehen war dennoch leider fast unmöglich. Und auf die ganze Rede waren wir nach all den Tränen und dem Schweiß gar nicht mehr so scharf.
Einfach nach Hause zu gehen war aber auch wieder nicht so leicht. Denn natürlich waren die Tore zu. Zufällig wurden sie doch noch geöffnet, doch wieder strömten Hunderte hinein, die uns schon wieder fast überrollten. Irgendwie kamen wir tatsächlich raus und fanden uns sogar wieder.
Politik ist Mord.
2.5.07 22:09


And the Präsidentschaft goes to...

Nicolas Sarkozy! … wie ihr sicher wisst. Was ihr noch nicht wisst, ist wie ich diesen nicht allzu überraschenden Wahlausgang erlebt habe. Hier der Bericht:
Nicht gerade unabsichtlich hatte ich gestern meinen grauen Kapuzenpulli angezogen, um im Falle einer Sarko-Wahl besser das Auto meiner Gastfamilie abfackeln zu können.
Alena, Katha, Kathie und ich sind nachmittags also durch Paris flaniert und stellten fest, dass von einer politischen Anspannung noch nichts zu merken war. Gegen achtzehn Uhr waren wir auf dem Blvd. St. Germain, von dem die rue Solférino abzweigt. In dieser schönen Ecke ist das Hauptquartier des PS (Parti Socialiste, Ségos Partei) gelegen.
Wie ihr euch schon denken könnt, waren wir nicht die einzigen Menschen, die sich dort befanden und stundenlang im Getümmel standen. Es gab Momente, in denen ich mich einfach hätte fallen lassen können. Ich war so eingequetscht, dass ich bestimmt nicht hingefallen wäre.
Aufgrund meiner beachtlichen Körpergröße konnte ich zwar den Bildschirm nicht sehen L dafür aber mich mal wieder bis fast nach ganz vorne drängeln.
Nur Zentimeter weiter rannten Ségos Sohn, eine potentielle neue Ministerin, Ségos Pressesprecher und ihr Mann an mir vorbei.
Dann gegen 20 h – der Schock! Sarko hat gewonnen.
Manche Leute brachen in Tränen aus, eine Frau erlitt fast einen Nervenzusammenbruch und sank weinen zu Boden. Ein kleines weinendes Mädchen hätte ich fast in den Arm genommen.
Eigentlich war es aber keineswegs eine Überraschung. Alles hatte daraufhin gedeutet.
Wir bahnten uns einen Weg aus dem Getümmel, vorbei an schwer bewaffneten Polizisten, Richtung Assemblée Nationale.
Auf dem Place de la Concorde feierten die Sarko-Anhänger, auf einem Riesenbildschirm schwang Sarko seine Rede. „Meine Gedanken gehen heute Abend an Madame Royal. Ich respektiere ihre Ideen.“
Da die Metro – anscheinend aus Angst – geschlossen waren, mussten wir bis zum Arc de Triomphe laufen, um den Heimweg anzutreten. Begleitet von Hupkonzerten, aber auch von Gesängen wie „Sarko, facho, le peuple aura ta peau!“ (Sarko, Fascho, das Volk wird deine Haut haben!)
Als ich in meinen ruhigen, beschaulichen und reichen Vorort zurückkam, war von Aufständen wie sie zu der Zeit an der Bastille und am Gare de Nord stattfanden, nichts zu merken. Kein Wunder. Die Menschen waren zufrieden ins Bett gegangen.
Ich habe natürlich nicht das Auto angezündet und es auch nie vorgehabt. Schließlich kann ich auch noch nicht mal sagen, dass ich wirklich für Ségo war.
Heute schien Paris wieder völlig beruhigt zu sein. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich auch mit mehr Aufständen gerechnet.

Keine Molotowcocktails, kein Krieg. Fast wie eine ganz normale Wahl.

7.5.07 20:36


Kann es in eine noch heißere Phase gehen?

Toll! Diesen Beitrag hätte ihr schon längst lesen sollen! So lange war ich jetzt auch nicht schreibfaul. Folgendes habe ich vor ein paar Tagen geschrieben, aktuelle Informationen einen Beitrag drunter! 

Wie ihr sicherlich nicht wisst, fand gestern Abend ein Fernsehduell zwischen Ségo und Sarko statt. Ich will euch damit keinesfalls nerven, aber es ist echt mal spannend! Seit 15 Jahren warten die Franzosen auf ein Duell wie dieses (aus verschiedenen Gründen fanden die letzten nicht statt). Und so war ich eine von 20 Millionen Zuschauern, die diesem Ereignis beiwohnte.
Zu meiner Schande gestehe ich aber, dass ich nicht die vollen zweieinhalb Stunden wie gebannt vor dem Bildschirm saß. Aber ich habe immer mit einem Ohr hingehört und die für mich spannendste Stelle zur Abwechslung sehr aufmerksam verfolgt.
Es ging um Bildung. Sarko wollte für jedes behinderte Kind in Frankreich die Möglichkeit schaffen, in einer öffentlichen Schule zur Schule zu gehen. Er bezeichnete den Unterschied zwischen Behinderten und Gesunden als „Reichtum“, also sollte man dies fördern. Solche Bemerkungen sind gerade vom ihm natürlich besonders zum Totlachen, da er die „racailles“, das ausländische Pack, welches in den Vororten ja gelegentlich randaliert, am liebsten zurück nach Afrika schicken will. Nix da mit Reichtum.
Auch Ségo traute ihren Ohren nicht, bezeichnete sich als „scandalisé“, also in höchstem Maße entsetzt. Vor allem aber, weil sie sich gerade als Bildungsministerin für Behinderte eingesetzt hatte, Posten geschaffen hatte, die Sarkos Partei so schnell es ging wieder zunichte machte.
Ich glaube, sie hätte ihm am liebsten ein Baguette an den Kopf geworfen oder ihn in einem Weinfass ertränkt, so wütend war sie. Allerdings nur innerlich, was man trotzdem sah. Nach außen hin musste sie ja einen kühlen Kopf bewahren und ruhig bleiben.
Sarko nutzte natürlich die Gunst der Stunde und meinte, dass sie sich nicht aufregen solle. „Ich rege mich nicht auf. Ich bin wütend. Und manchmal kann Wut sehr gesund sein.“ Er meinte daraufhin nur, dass sie offensichtlich nervlich sehr angespannt sei und dass ein Präsident nicht so schnell die Nerven verlieren sollte.
Es gab noch einige andere hitzige Antworten, aber diese Situation war für mich am lustigsten. Klar natürlich, dass eine Frau nicht gleich als launische Zicke gelten kann, wenn sie einen „Männerberuf“ machen will. Aber auch klar, dass sie ihre Projekte ernst nimmt, sich dafür einsetzt und ich denke selbst der älteste Politikhase wäre „empört“, wenn ein Anderer so heuchlerisch daherkäme, nachdem er die ganze Arbeit zerstört hätte.
Insgesamt würde ich zu dem Schluss kommen, dass in Deutschland ein solches Duell nicht stattgefunden hätte. Die Kandidaten haben die ganze Zeit gestichelt; es wurden Bemerkungen gemacht, die man nur verstehen konnte, wenn man das ganze Geschehen länger verfolgt. Hinter versteckter Höflichkeit („Ja, madame.“ „Was uns M. Sarkozy da vorschlägt,…&ldquo kamen aber auch persönliche Bemerkungen durch.
Obwohl der Gastvater meinte, er hätte das Duell „nul“ gefunden (ich übersetze ganz frei: scheiße), hat der er trotzdem geschafft, seinen Sohn politisch zu beeinflussen.
Charles ist total der Sarko-Anhänger, hat mit seinen Schulkameraden bei ihm auf die Mailbox gesprochen (anscheinend so eine Wählerhotline) und wollte meinen tollen „Les jeunes pour Ségo“-Luftballon („Die Jugend für Ségo&ldquo zerplatzen lassen. Aliénor, die weder für Nico noch für Sarko ist, hatte eindeutig Partei für den Ballon ergriffen, den ich aus Charles zerstörerischer Hand retten konnte.
Ja, so ist das hier. Die „Reichen“ (zu denen ich mal meine famille zähle) sind eher für den gefürchteten Sarko.
Alenas Kind, das sie liebevoll „die Ratte“ nennt, ist auch so ein Opfer von politischem Einfluss. Denn ich glaube, dass Charles wie auch die Ratte mit ihrem zarten Alter eigentlich gar kein Interesse für Politik haben können oder halt dürfen. Das ist einfach unnormal. Also müssen sie die Entscheidung der Eltern unterstützen.
Allerdings irre ich mich wahrscheinlich mal wieder. In Frankreich ist eben doch vieles anders. Charles: „Natürlich interessiere ich mich für die Wahlen. Davon hängt doch ab, was aus meinem Land wird!“
7.5.07 20:41


Chichis letzter Auftritt

Falls ihr heute Morgen aufgewacht seid und nicht mehr wusstet, ob ihr in Deutschland oder in Frankreich seid, hätte eine einfache Frage das ganze Rätsel auflösen können:

 

 Habe ich heute frei oder nicht?

 

Denn die Deutschen mussten heute sicherlich früh aufstehen und zur Arbeit fahren. Die Franzosen konnten aus freudigem Anlass ausschlafen.

 

Denn heute wurde der 62. Jahrestag des Waffenstillstandes gefeiert, wobei man auch mal klar und deutlich „Sieg über die Deutschen“ sagen kann.

 

Jedenfalls wars für uns nix mit ausschlafen. Schließlich wollten wir die Militärparade auf den Champs-Elysées nicht verpassen.

 

Weil um kurz nach neun noch die Autos herum brausten, als würde eine Parade nie stattfinden, setzten wir uns in ein amerikanisches Fast Food Restaurant und plauderten. Nach und nach kamen verschiedene uniformierte Männer herein und bestellten sich Kaffee oder Burger.

 

Keine von uns traute sich einen Soldaten zu fragen, wann sie denn losmarschieren müssten.

 

„Los, Katha, frag mal!“ „Nee, ich trau mich nicht.“

 

So redet wir die ganze Zeit, bis einer sich umdrehte und meinte: „Haben Sie eine Frage?“

 

Hm, etwas peinlich, aber so fanden wir wenigstens raus, dass die Parade um halb zwölf stattfinden sollte und Chirac um zehn vor zwölf antanzen würde. Gerade als ich mich fragte, ob die französische Regierung jedes Jahr deutsche Soldaten kidnappt, um sie als Kriegsgefangene auch am Siegeszug teilnehmen zu lassen, erklärte der freundliche Soldat, dass er mal in Deutschland stationiert gewesen sei.

 

Kurz nach elf gingen wir wieder auf die Straße, wo die ersten Fahnenträger schon lustige Musik mit ihren Fanfaren ertönen ließen. Allerdings ist die Armee ein bisschen wir „NRJ“, der Radiosender, den ich hier immer höre. Es kommt immer die gleiche Musik. In diesem Fall die Marseillaise. N bisschen langweilig, aber was solls.

 

Die brandheißen Infos, die eigentlich aus bester Quelle stammen sollten, erwiesen sich glücklicherweise als falsch.

Viel früher als angekündigt wurde Monsieur Chirac in seinem schicken Auto vorgefahren und fuhr mit einem Panzer um den Arc de Triomphe herum. Ja, wir haben ihn auf seine alten Tage noch mal leibhaftig erlebt. Ein bewegender Moment.

Habe ich schon mal erwähnt, dass mich Blanche gelegentlich "Chichi" nennt? Und wusstet ihr schon, dass das auch ein Spitzname für unseren geehrten Herrn Chirac ist? Kein Wunder, dass ich mich ihm so verbunden fühle...

Katha, unsere charmante Begleiterin, lockte mal wieder die Kamerateams an, die sie befragten, ob sie einfach aus Neugierde oder als wirklichem Interesse hergekommen sei. Was für eine Frage!

 

Mittlerweile hatte sogar der starke Regen nachgelassen, aber unsere

VIP-Plätze auf den Barrieren waren doch nicht so komfortabel wie wir gedachten hatten.

 

In einem Kinosessel im Grand Rex saß es sich wesentlich besser. Und so rundeten wir den Tag mit Jennifer Lopez’ Film „Les oubliées de Juarez“ ab.

 

8.5.07 19:59


Wir Kinder aus Ville d'Avray

Letztens habe ich auf die Frage, wie lange ich noch bleibe, geantwortet: „Noch neun Wochen.“

 

 

Hilfe! Ich rede nicht mehr in Monaten, sondern in Wochen! Bald gehe ich auf Nimmerwiedersehen!

 

Es ist wirklich so unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Was man alles erlebt hat, was noch alles vor einem liegt.

 

Alles hier ist so normal geworden, die Kinder sind einfach immer da. Ich habe mich total an sie gewöhnt. So sehr sie mich auch täglich nerven, sie werden mir unglaublich fehlen!

 

 

Die einzige Person in diesem Haus, die mit mir mitfühlt, ist Blanche. Dauernd kam sie heute an, hat mich umarmt und wollte mich gar nicht wieder loslassen. Sie spricht immer davon, dass ich ja leider bald schon fahren muss.

 

Und mit einem Mal fragte sie ganz erschrocken: „Bist du an Toussaint noch da?“ Kleine Anmerkung: das ist der 1. November. „Nein, da bin ich schon weg.“ „Oh nein, dann kannst du ja gar nicht mit nach Tunesien!“

 

Sie nimmt nämlich an einem Malwettbewerb teil, bei dem man eine Reise gewinnen kann und sie würde gerne ihre Mama und mich mitnehmen. Ähem. Nein, das geht wohl wirklich nicht.

 

 

Auch Aliénor ist mir wie eine kleine Schwester geworden, was ich daran merke, dass sie mich wie Blanche behandelt. So können wir uns auch schon sehr gut streiten, z.B. wenn ich zu hässlich gemalt habe, aber auch gut wieder vertragen.

 

 

Ich: „Was hast du gesagt??? Du bittest mich sofort um Entschuldigung!“

 

Aliénor: „Entschuldigung.“

 

Ich: „Warum?“

 

Sie: „Weil ich gesagt hab, dass du dumm bist und dich getreten hab.“

 

Na bitte.

 

Ich: „Das machst du nicht noch mal!“

 

Sie: „Nein.“

 

 

Manchmal werde ich sogar zur Verbündeten der Kinder.

 

 

Aliénor: „Kannst du mein Essen nicht aufessen? Ich mag es nicht…“ (Sie muss aufessen, sonst gibt es keinen Nachtisch. Darauf kann ich allerdings nicht eingehen, so gerne ich es würde&hellip

 

 

Blanche: „Ich sag dir jetzt was, das darfst du Mama auf keinen Fall sagen! Schwörst du? … Ich habe eine total schlechte Note im Test. Aber ich sags ihr nicht, sie wird es schon im Zeugnis merken.“ Ich: „Aber Blanche! So geht das doch nicht!“ Sie: „Aber so darf ich doch nie morgen mit dir ins Kino!“

 

 

Bei dem Gedanken, dass mich die Kinder am Anfang gesiezt haben, dreht sich mir heute fast der Magen um. Jetzt tanzt Charles wild in meinem Zimmer, lässt sich dabei filmen, legt sich auf mein Bett und kommt gerne auch ohne Anklopfen rein.

 

Aliénor singt „Du kannst meinen Po sehen!“ und hat mich heute in ihr Bett eingeladen, mit ihr Mittagsschlaf zu halten.

 

Blanche probiert auch gerne mal meine Klamotten an und will ab heute zwei Mal wöchentlich mit mir deutsch lernen. Zu den heutigen Vokabeln gehörten essentielle Ausdrücke wie „Ja“, „Nein“, „Sei still“, „Nudeln“ und „Affe“.

 

 

Ihr seht: wir bilden unsere kleine Gemeinschaft abseits der Elternwelt, in der er eine mal mehr und mal weniger integriert ist. Gonzague ist immer noch das Problemkind und in meiner Gunst tief gesunken.

 

Blanche: „Gonzague, wir wissen alle, dass du Shirin nicht magst.“ Gonzague: „Ach wieso, es geht eigentlich.“

 

Ich fand diese Antwort total lustig, außerdem ehrlich. Ich meinte nur „Jeder hat das Recht, mich nicht zu mögen.“.

 

Aber ein Glück habe ich unter vier Kindern mindestens immer eines, das mich mag und mir das richtige Wort im richtigen Moment sagt. Heute war es Aliénor, als ich mich böse an einer Kante gestoßen hatte.

 

„Hast du dir wehgetan? Soll ich dein Aua mit meinem ganz weichen Kuscheltier streicheln?“

 

 

Glaubt es oder nicht, es hat geholfen.

 

9.5.07 22:56


Geschmierte Kinder

Überraschende Wendung im Problemfall Gonzague:

Gestern saß ich in meinem Zimmer, als beide Jungs rein kamen und mich mal wieder um Bonbons anflehten.

Seltsam eigentlich, denn sie haben freien Zugang zu zwölf Paketen verschiedener Kekse. Das sollte doch für einen Zuckerschock reichen.

Aber die Kinder leben in der wahnwitzigen Vorstellung, dass es in meinem Schrank Kohlehydrate gibt.

Falls es wirklich mal etwas Zuckerähnliches anzutreffen ist, haben wir es aber ziemlich wahrscheinlich mit einem der folgenden Fälle zu tun:

 

-         Ich habe einen Fehlkauf getätigt, wie damals, als ich Haribo Polka gekauft habe. So was Ekelhaftes erregt dann nicht unbedingt meinen Appetit und ich kann widerstehen.

-         Mama war gerade zu Besuch und ich hatte noch nicht die Zeit, alles mit einem Mal aufzuessen.

-         Es handelt sich um eine Mango, die in meinem Schrank reift, weil man immer nur knüppelharte Mangos kriegt. In meinem Schrank herrscht eine für sie angenehme Nachreiftemperatur, anders als in der Küche. Dort kommt die zusätzliche Gefahr hinzu, dass n’importe qui, also jeder sie einfach essen könnte.

-         Es handelt sich um deutsches Brot oder Salbeibonbons was aber nicht so der Nachfrage der beiden Jungs entspricht.

-        

Doch ich fand tatsächlich noch ein kleines Päckchen Zuckerkügelchen, die ich Gonzague versprach, falls (ich benutze nicht das Wort „wenn&ldquo er lieb sein sollte.

Und in der Tat. Hier habe ich bis jetzt nur die Bequemlichkeit der Bestechung gelernt. Als wir zusammen Hausaufgaben machten, las er einen Text über eine gallische Gürtelschnalle (sehr interessant&hellip. „Ach, guck mal, die Gürtelschnalle. Ist die schön! So wie du!“

Okay, alles klar. Eine Schleimspur so breit wie die Avenue Foch.

Dann aus heiterem Himmel ein anderer Spruch. „Wenn du weggehst, werde ich traurig und glücklich zugleich sein. Glücklich, weil Charles dann dein Zimmer kriegt und mich nicht mehr abends mit dem Licht nervt. Aber unglücklich, weil du dann weg sein wirst…“

Als Gonzo heute Morgen immer noch nett zu mir war – obwohl ich keine Bonbons versprochen hatte – kam in mit der Gedanke auf, dass wir uns vielleicht tatsächlich „vertragen“ haben könnten. Das Eis scheint gebrochen zu sein, er hält mir wieder die Tür auf, macht ein paar Witze und … ja, mit einer kleinen Anstrengung kann er seinen alten Status als Lieblingskind zurück erobern. Es wird hart, aber es ist nicht unmöglich, sag ich mal.

11.5.07 22:06


Voyage, voyage

Was würdet ihr alles opfern, um einen Teil des UNESCO-Weltkulturerbes zu sehen? Mehrere Stunden Zugfahrt?

 

Das haben wir jedenfalls heute getan. Um zum Schloss in Fontainebleau zu kommen, haben wir echt mal eine kleine, mehrstündige Reise auf uns genommen. Leider kann ich euch nicht allzu sehr viele relevante Informationen dazu geben.

 

Offenbar hat dort mal ein gewisser Napoleon residiert. Aber was ich wirklich weiß, ist dass dort ein reger Hochzeitstourismus herrscht, was bedeutet, dass Fotografen mit glücklichen, frisch vermählten Paaren ein und ausgehen.

 

Ich könnte euch sagen, dass man für 50 cent auf die toilette gehen kann und dass im Kanal süße Schwanenbabies und fette Karpfen schwimmen.

 

Ihr seht, wir haben eher einen chilligen Tag in der nähe eines Schlosses gehabt, lustige Videos gedreht und mit Blick auf einen Wald Kekse gegessen. So ist das lustige Leben.

 

Bemerkenswert auch, dass die Gegend richtig, richtig ländlich ist. Selbst unsere Vororte haben nicht den Eindruck, dass dort Bauern wohnen, die einmal pro Woche in die Stadt fahren, um Einkäufe zu tätigen.

 

Zurück also in die GROßstadt, wo wir eine sehr erfreuliche Entscheidung trafen. Es ist offiziell:

 

Am Donnerstag werden wir mit der Alliance Francaise, meinem neuen Lieblingsreiseveranstalter, unseren langjährigen Traum erfüllen. Und eine Reise zum Mont St. Michel machen!!!

 

Beim verlassen des kleinen Büros ist Alena, Katha und mir doch tatsächlich ein kleiner Jubelschrei entfleucht…

 

Für alle, die mit diesem Ort nicht so vertraut sind:

 

Es handelt sich um ein altes Mönchskloster, das auf einer Insel steht und eines der beliebtesten französischen Ferienziele ist. Der Berg hat „etwas Magisches“ und auch etwas Symbolisches. Unser alter Freund Nicolas war während seiner Kampagne zum Beispiel auch dort.

 

 

Sicherlich lest ihr heute meinen Blog nicht mehr, da ihr auch den weltberühmten Grand Prix Eurovision de la chanson seht.

 

Wenn ich mir einen kleinen persönlichen Kommentar erlauben darf, haben die Franzosen doch echt mal wieder den Vogel, wenn nicht sogar den galloromanischen Hahn abgeschossen, oder?

 

Ich finde dieses Lied einfach nur so klischeemäßig geil! Und ratet mal, wer im Internet zwischen den französischen Kandidaten für dieses musikalische Meisterwerk abgestimmt hat?

 

Der gute Roger, hier auch gerne Rogé genannt, war zwar nicht enttäuschend, allerdings glaube ich, dass er seine – durchaus wahre Botschaft – nicht europaweit rüberbringen kann.

 

Eine Bemerkung auch zur Ukraine: haben sie auf Deutsch gezählt? Wie bringt man silberne Spacekostüme und die deutsche Kultur unter einen Hut? Ein ungelöstes Rätsel…

 

Gleich sind alle Teilnehmer durch und ich warte gespannt auf einen würdigen Gewinner. Wahrscheinlich vergebens, wie jedes Jahr.

 

12.5.07 22:39


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