le fabuleux destin de shirin



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Eine Müsülfrau kauf Olivenöl

Trotz vieler bereits besichtigter Attraktionen haben Alena und ich heute doch noch mal wieder ein touristisches Ziel in Angriff genommen.
Die Mosquée de Paris, die Pariser Moschee.
Wer jetzt völlig vom Glauben abfällt (extra für Mama: Wortspiel!), den darf ich beruhigen: ich bin nicht zu den Müselmännern übergetreten und bleibe meinem Glauben natürlich treu J
Das bemerkte man schon gleich an meiner unprofessionellen Herangehensweise, hatte ich doch tatsächlich eine SHORTS angezogen. Für den muslimischen Geschmack anscheinend zu knapp.
Der dicke alte Mann an der Kasse holte einen riesigen alten Stofffetzen heraus, den er mir feierlich übergab. Wie eine Schürze sollte ich mir das modische Ding umbinden, versuchte er von heftigem Lachen geschüttelt zu erklären. Während er mich weiterhin schallend auslachte, bemerkte er ganz richtig, dass dieses Outfit ganz tolle Fotos geben würde.
Staunend und fotografierend spazierten wir durch die Innenhöfe und waren völlig hingerissen von den aufwendigen Mosaiken. Rein (innen)architektonisch war dieser Besuch ein voller Erfolg.
Im zur Moschee zugehörenden Café haben wir natürlich auch einen heißen Pfefferminztee zu uns genommen, was zu dem perfekten Besuch dazu gehört. Der Kellner, ein alter bärtiger Mann, ging die ganze Zeit mit einem Tablett mit dampfendem Tee herum und wischte wenig liebevoll die wunderschönen Tische ab. Ihr hättet ihn sehen müssen, ein Musulman wie aus dem Bilderbuch.
Anschließend verbrachten wir eine halbe Ewigkeit im „Souvenirshop“, wo Alena fast eine Ziegenlederlampe und ich fünf Kilo Pfefferminztee erstanden hätten. Es wurden Keramikwaren, um Couscous anzurichten. Gut nur, dass ich in Deutschland wahrscheinlich nie Couscous machen werde, weil ich es dort noch nie gesehen habe. Falls ihr gerade nicht wisst, wovon ich spreche, fühle ich mich in meiner Befürchtung bestätigt. Das Schälchen hab ich aber trotzdem gekauft.
Wir spazierten also zu unserer geliebten, nahe gelegenen rue Mouffetard, um ein Häppchen einzunehmen und gingen weiter Richtung Norden.
In St. Germain des Prés fanden wir einen schnuckeligen Laden, der etwas verkaufte, was ich schon seit acht Wochen suche: Olivenöl in einer kleinen, schönen Dose.
Ich war natürlich hingerissen und wollte es sofort – trotz überhöhter Preise, aber man gönnt sich ja sonst nichts – kaufen.
Alenas und meinem Gourmetauge entging aber nicht, dass dieser Laden recht großzügig Kostproben seiner Waren anbot.
„Hm, das schmeckt lecker. Probier das mal!“, riefen wir uns ganz ungeniert, da auf Deutsch, durch den Laden gegenseitig zu. Und fraßen uns durch alles, was es für lau zu finden gab.
Alena stand schon an der Kasse, zu der ich mich mit einem kostbaren Öl auch schon richtete, als ich sagte: „Boah, ihh! Ich glaub, ich hab grad was mit Fisch gegessen!“
„Ja, diese Sardinen dahinten auf dem Tisch, ne? Die waren echt nicht so gut…“, wusste Alena bescheid. Gut, dass ich diese, zur Abwechslung wichtige, Vorwarnung nicht bekommen hatte. Alenas Colaflasche stand so reizvoll vor mir auf der Kasse. „Hier, trink!“, bot sie mir an und da die Sardinen von besonderer Intensität in meinem Mund nachwirkten, nahm ich an der Kasse in einem italienischen Feinkostladen in einem schicken Pariser Viertel ohne Witz einen Schluck Cola aus der Flasche.
Kaum hatte ich die Flasche an meine nach Meer duftenden Lippen gesetzt, wurde uns beiden klar, dass wir uns in einer ziemlich peinlichen Lage befanden.
„Sie hat von dem Fisch dahinten probiert“, wollte Alena mich beim Kassierer entschuldigen, was völlig nach hinten losging. Als hätte ich etwas Verdorbenes gegessen, setzte der Feinkosthändler seine gespielt verständnisvoll-schockierte Miene auf, wobei er sich innerlich wahrscheinlich totlachte. Diese Touristen, die sich echt an Probehäppchen überfressen!
Meine gute Begleiterin setzte der Wurst auch noch die Krone auf, indem sie nach dem Zahlen Gesichtscremepröbchen verlangte, welches die (ohne Zweifel reicheren) Kunden vor uns bekommen hatten, wir jedoch komischerweise nicht.
Doch die Dreistigkeit siegte und wir zogen mit unseren Proben, vollen Bäuchen und einer kleinen Papiertüte wieder ab.
24.6.07 00:19
 


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