le fabuleux destin de shirin



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Mundraub

Mein gestriger Tag war mal wieder typisch.
Ausschlafen, die Kinder beim Fern sehen „erwischen“, aufräumen.
Anders als sonst war, dass mittags die Mutter mit einem fetten Verband an der Hand nach Hause kam. Da sie operiert wurde, wird sie meine gesamte restliche Zeit hier nicht arbeiten. Oh Mann!
Die Gute kann wirklich gar nichts mehr alleine machen. Wenn sie nicht im Bett liegt und Fern sieht, ruft sie ihre Kinder, damit sie ihr einen Jogurt aufmachen oder die Leiter richtig hinstellen. Hauptsache, sie macht mich nicht zu ihrer persönlichen Dienerschaft.
Mittags ist noch etwas Tolles geschehen. Ich war nicht wenig erfreut, dass Blanche bei ihrer Freundin essen wollte. So hatte ich nur zwei Rangen zu bekochen und machte mir kurzerhand auch ein kleines Putenschnitzel (seitdem ich hier bin esse ich fast gar kein Fleisch, aber nicht weil ich Vegetarierin geworden bin&hellip.
Ich setzte gerade zu einem lauten „Zu Tisch!“ an, als Constantin, unser Nachbar und der Bruder von Blanches Freundin auftauchte.
„Er isst heute bei uns“, wurde mir erzählt. Praktisch Kindertausch. Ich musste wohl oder übel zustimmen, auch wenn das bedeutete, dass ich nichts zu Essen haben würde.
„Toll Blanche! Und was soll ich essen?“, fragte ich entnervt. „T’as qu’à grignoter“, war die Antwort, du kannst ja naschen. Als hätte ich das sonst nicht getan.
Die nächste dunkle Bedrohung nahte bereits.
„Shirin, gehst du mit uns ins Schwimmbad?“ Ich lachte die Kinder aus.
„Garantiert nicht! Was für eine Idee!“
Die Mutter schaltete sich ein: „Hm, eigentlich hätte ich das sehr gerne, wenn du die Kinder begleiten würdest. Dann hab ich sie nicht an den Hacken…“
Ja eben!!! Aber dann hab ICH sie!!!, hätte ich am liebsten laut geschrieen.
Eine französische Großfamilie gegen ein kleines deutsches Au Pair – wer gewinnt?
„Na gut, ich geh mit euch. Aber ich bade nicht“.
Völlig bargeldlos, wie wir stets durchs Leben gehen, musste mir die Gastmutter einen Blankoscheck ausstellen. Sie wusste nicht, wie viel eine Zehnereintrittskarte fürs Schwimmbad kosten würde.
Am liebsten hätte ich mich totgelacht, sie hatte so eine Angst, dass ich einfach eine Million statt 10,75 Euro draufschreiben würde. Oder den Scheck an die Mafia verkaufe. Oder in meine eigene Tasche stecke.
Selbst nach 9 Monaten haben die hier immer noch nicht gemerkt, was für eine zuverlässige Person ich bin. Ich habe selbstverständlich alles ordnungsgemäß erledigt. Haben die noch nie gemerkt, dass ich als Deutschland komme?
Ich also mit den Zwillingen und auch noch der Nachbarin zum Schwimmen gepilgert, mein Buch in der Tasche, um am Beckenrand die Beine ins Wasser baumeln zu lassen, während die Kinder sich gegenseitig ertränken… als ich aus meiner idyllischen Fantasie entrissen wurde.
„Was? Sie tragen keine Badbekleidung? Dann dürfen sie die Schwimmhalle nicht betreten!“
Während ich fast zwei Stunden im Eingangsbereich des winzigen Schwimmbades in Ville d’Avray mein Buch las, fragte ich mich, wofür mir diese Familie überhaupt ihr Geld gibt.
28.6.07 17:48
 


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