le fabuleux destin de shirin



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Diskriminiert

Ach ja, mir geht es gerade richtig gut!!!
Heute habe ich erstmal lange ausgeschlafen und war dann frisch und munter und für jeden Spaß zu haben. Sooo frisch sah ich zwar kurz nach dem Aufstehen nicht aus, aber ich musste unbedingt Aliénor ihr Geschenk überreichen.
Seit ungelogen 6 Monaten redet sie ja schon davon, dass „bald“ ihr Geburtstag ist und dass sie dann eine „grande fille“, ein großes Mädchen sein wird.
Da dieser Tag also sehr wichtig für sie ist, habe ich mir besondere Mühe für ihr Geschenk gegeben. Letztes Wochenende habe ich mit Alena und Kathi in Belleville in einem Ein Euro Laden Filzstifte und eine Silikon-Bären-Backform für sie erstanden
Und tatsächlich hat sie sich sehr über mein kleines Präsent gefreut. Jetzt kann ich endlich wieder vernünftige Bilder mit ihr malen, die anderen Stifte waren schon ganz ausgetrocknet.
Etwas im Voraus (an dieser Stelle kleinen Gruß an Alena) habe ich heute mein Geld von der Familie erhalten, was ein Grund war erstmal richtig shoppen zu gehen.
Wer an einem Samstag irgendwo in Paris einkaufen geht, muss verrückt sein. Wer auch noch Les Halles aussucht, hat entweder keine Ahnung, was da auf ihn zukommt, sonst keine Zeit oder einen eigenartigen Humor.
Erstaunlicherweise fand ich es aber gar nicht so voll. Und das, obwohl zur Zeit soldes sind, der allseits beliebte Schlussverkauf. Ebenso unerwartet legte ich eine ungewöhnliche Ausdauer an den Tag, ansonsten bin ich eher schnell genervt vom Einkaufen und gucke gar nicht so recht.
Aber heute, meine Lieben, waren die Tüten schwer!
Alena und ich hatten aber noch einen anderen Plan. Wir wollten einen „Lesezirkel“, wie wir es nennen gründen.
Mir ist bewusst, dass damit gemeint sein könnte, dass wir verschiedene Illustrierte wie zum Beispiel die Gala oder die Neue Revue abonnieren und wenn sie ausgelesen sind, austauschen. Wie es bei praktizierenden Ärzten (wie zum Beispiel Dr. Kolle in Gifhorn, den ich in wenigen Tagen wegen meiner Weisheitszähne aufsuchen muss&hellip der Fall ist.
Nein, so was war nicht geplant. Wir wollten einen Literaturkreis gründen und haben uns zu diesem Anlass „Paris est une fête“ (dt. Paris, ein Fest fürs Leben) von Ernest Hemingway gekauft. Wir lesen also dieses Meisterwerk der Weltliteratur und tauschen unsere intellektuellen Gedanken darüber aus.
Zum Beispiel sagt Alena „Ernie ist so cool, oder? Immer geht er in die Cafés, verprasst das Geld, was er nicht besitzt und berichtet, wie ein Hirte eine Ziegenherde durch die rue Mouffetard leitet…“
Jaja, meine Kinder würden sagen „La vie est belle chez lui“, so zu sagen „Das Leben ist für ihn immer schön“. Denn obwohl der arme Dichter immer an Hunger leidet, berichtet er von einem wunderbaren Leben in Paris. Und alleine zu denken, dass früher Ziegen durch Straßen zogen, in denen wir heute Crepes essen, ist lustig.
Kurz, wir wollten uns für schlau und gebildet halten. Die feierliche Gründungszeremonie sollte in einem Café namens „Closerie des Lilas“ abgehalten werden. Unser Freund Ernest schrieb zu Lebzeiten an diesem Ort.
Wir stiegen, voll bepackt mit lauter Tüten, aus dem Zug und wurden von einem ohrenbetäubenden Lärm eingeschüchtert. Ein Schwulen- und Lesbenparade zog gerade an unserem erwählten Ort vorbei.
Wir kamen nicht drum herum einige seltsame Gestalten anzustarren und ein wenig das bunte Treiben zu verfolgen. Aber lange konnte ich es nicht aushalten, ich wollte ins Café.
Oh! Kurz vor dem Eingang bemerken wir wie schick es darin ist. Sofort kam ein Mann heraus gestürmt:
„Da könnt ihr nicht rein, es ist geschlossen.“
?
„Ihr könnt da nicht so einfach rein und aufs Klo gehen!“
??? Was wollte dieser Typ?
„Nein, wir wollen eigentlich was trinken“; wollte ich die Situation erklären. Der Mann prustet fast los vor Lachen: „Haha, was denn? Eine Cola?“
Schwupps war er weg und kurz darauf standen andere alte Männer um uns herum, die ebenso amüsiert waren, dass wir mit unseren lächerlichen Plastiktüten in dieses ehrenhafte Etablissement gelassen werden wollten.
Verängstigt fuhren wir mit dem Zug wieder weg.
So eine Pleite! Diese Kackzweitklassengesellschaft! Um des Ambientes Willen wären wir sogar bereit gewesen eine überteuerte Summe für diese lächerliche Cola ausgegeben (ja, eine Cola).
Da uns der Hunger plagte gingen wir zu unserem „Stammbäcker“, der uns Baguette mit eingebackenen Oliven bzw. Schinken verkaufte. Was nun?
Zu Fuß mit unseren Einkaufstüten schleppten wir uns noch weitere Straßen entlang und landeten in einem anderen Café, das Hemingway wenigstens auch mal in seinem Buch erwähnt hat. Das Café de Flore.
Weil wir beide nur ein Wasser bestellten/uns mit besagten lächerlichen Plastiktüten in ein weiteres ehrenhaftes Etablissement gewagt hatten/so aussahen, als würden wir nicht viel Trinkgeld geben, wurden uns (so glauben wir) keine Oliven dazu gereicht.
Dennoch stießen wir mit unserem Wasser auf unseren Lesezirkel an und blickten, während wir auf unsere niedere Herkunft pfiffen, versonnen auf den Boulevard St. Germain.
30.6.07 23:54
 


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